Bar eröffnen

Kosten, Genehmigungen & Voraussetzungen

Letztes Update:
13.4.2026

Bar eröffnen

Christian

Christian

Gründer von shoperate

Die smarte Registrierkasse

Du willst eine eigene Bar eröffnen? Gute Idee — wenn Konzept, Standort und Finanzierung stimmen. Dieser Leitfaden zeigt dir Schritt für Schritt, welche Voraussetzungen du brauchst, mit welchen Kosten du rechnen musst, welche Genehmigungen Pflicht sind und wie du typische Anfängerfehler vermeidest. Von der ersten Idee bis zur Eröffnung.

Bar eröffnen

Lohnt es sich, eine Bar zu eröffnen?

Eine eigene Bar eröffnen — das klingt nach Freiheit, guten Abenden und einem Geschäft, das Spaß macht. Tatsächlich kann eine Bar ein tragfähiges Geschäftsmodell sein. Aber nur, wenn Konzept, Standort, Kalkulation und operative Disziplin zusammenpassen.

Die Nachfrage allein reicht nicht. In Deutschland gibt es rund 33.000 Schankwirtschaften — der Wettbewerb ist hoch, die Margen sind oft knapp. Wer erfolgreich eine Bar aufmachen will, braucht mehr als eine gute Idee: einen klaren USP(Alleinstellungsmerkmal), eine realistische Kostenplanung und die Bereitschaft, dauerhaft abends, nachts und am Wochenende zu arbeiten.

Die wichtigsten Erfolgsfaktoren: ein durchdachtes Konzept, eine wirtschaftlich passende Lage, solide Finanzierung und ein funktionierendes Team. Die größten Risiken: zu hohe Miete, zu optimistische Umsatzplanung, unterschätzte Genehmigungsverfahren und fehlende Liquiditätsreserven.

👉 Tipp: Frag dich ehrlich — bist du bereit, mindestens 50–60 Stunden pro Woche in deinen Betrieb zu stecken, auch wenn die Einnahmen in den ersten Monaten hinter den Erwartungen bleiben? Wenn ja, lohnt sich der nächste Schritt: die Voraussetzungen prüfen.

Voraussetzungen: Was du fachlich, persönlich und kaufmännisch mitbringen solltest

Für die Eröffnung einer Bar gibt es in Deutschland keine vorgeschriebene Ausbildung. Trotzdem scheitern viele Gründungen an fehlender Vorbereitung — nicht an fehlenden Abschlüssen.

Persönliche und fachliche Voraussetzungen

Wer eine Bar betreibt, steht oft bis spät in der Nacht hinter der Theke, führt ein Team und ist gleichzeitig Gastgeber, Einkäufer und Troubleshooter. Das erfordert Belastbarkeit, Kommunikationsstärke und ein echtes Interesse am Gastgewerbe.

Praktische Erfahrung in der Gastronomie ist kein Muss, aber ein großer Vorteil. Wer Abläufe an der Bar kennt — vom Getränkeservice über die Warenwirtschaft bis zur Gästeführung — trifft bessere Entscheidungen.

Kaufmännische Grundlagen

Viele Barbetreiber unterschätzen den betriebswirtschaftlichen Teil. Du brauchst ein Grundverständnis für Kostenkontrolle, Wareneinsatz, Liquiditätsplanung und Personalführung. Wer diese Kompetenz nicht selbst mitbringt, sollte sie gezielt zukaufen — etwa durch einen Steuerberater oder einen erfahrenen Geschäftspartner.

⚠️ Achtung: Auch eine nebenberufliche Bargründung ist grundsätzlich möglich, aber in der Praxis extrem anspruchsvoll. Die Öffnungszeiten einer Bar liegen meist abends und nachts. Das verträgt sich selten mit einem Vollzeitjob. Prüfe vorab, ob dein Arbeitsvertrag eine Nebentätigkeit erlaubt, und plane realistisch.

Konzept, Bartyp und Zielgruppe: So positionierst du deine Bar sauber

Ein Barkonzept funktioniert nur, wenn Bartyp, Zielgruppe, Preisniveau und Atmosphäre zusammenpassen. Bevor du einen Standort suchst oder einen Businessplan schreibst, muss die Positionierung stehen.

Beliebte Bartypen im Vergleich

Bartyp Zielgruppe Investitionsniveau Besonderheiten
Kneipe / Pub Breites Publikum, Stammgäste Mittel Niedrigschwellig, hohe Frequenz, moderate Margen
Cocktailbar Genussorientierte Gäste, 25–45 Jahre Hoch Profi-Barkeeper nötig, höhere Margen pro Drink
Sportsbar Sportfans, Gruppenbesucher Mittel bis hoch Übertragungsrechte, Technik, Eventlogik
Shisha-Bar Jüngeres Publikum, 18–35 Jahre Mittel Strenge Auflagen (Lüftung, Tabaksteuer, Jugendschutz)
Café-Bar / Bistro Tagesgäste, Berufstätige, Paare Mittel Doppelnutzung Tag/Abend, breiteres Angebot
Karaoke-Bar Eventorientierte Gruppen Mittel bis hoch Nische, hohe Kundenbindung, Technikaufwand

Zielgruppe und USP definieren

Bevor du dich für einen Bartyp entscheidest, analysiere die Zielgruppe in deiner Stadt oder deinem Viertel. Wer lebt dort? Welche Altersgruppe dominiert? Was fehlt im Angebot? Ein klar definierter USP unterscheidet dich vom Wettbewerb — das kann ein besonderes Getränkekonzept sein, ein ungewöhnliches Interieur oder ein regelmäßiges Eventformat.

Wie du prüfst, ob dein Konzept wirklich tragfähig ist

Die Idee allein reicht nicht — du brauchst eine ehrliche Prüfung, ob dein Barkonzept am gewünschten Standort wirtschaftlich funktioniert. Stell dir dafür fünf Fragen:

  • Passt das Konzept zur Lage? Eine hochpreisige Cocktailbar in einem Wohnviertel ohne Ausgehkultur wird es schwer haben. Umgekehrt kann eine unkomplizierte Kneipe auch in einer Nebenlage mit Stammgästen funktionieren.
  • Ist deine Zielgruppe vor Ort tatsächlich vorhanden? Prüfe die Altersstruktur, das Einkommensniveau und das Ausgehverhalten im Einzugsgebiet.
  • Ist dein Preisniveau am Standort durchsetzbar? Vergleiche die Preise bestehender Bars in der Nähe. Dein Preisniveau muss zur Kaufkraft und Zahlungsbereitschaft passen.
  • Braucht dein Modell hohe Frequenz oder hohe Marge? Eine Kneipe lebt von vielen Gästen mit moderatem Bon. Eine Cocktailbar kann mit weniger Gästen profitabel sein, wenn der Durchschnittsumsatz pro Kopf stimmt.
  • Funktioniert dein Konzept auch in einer B-Lage? Wer nicht auf Laufkundschaft angewiesen ist, hat bei der Standortwahl mehr Spielraum — und spart oft erheblich bei der Miete.

💡 Merke: Teste dein Konzept vor der Unterschrift unter den Mietvertrag — zum Beispiel durch ein Pop-up-Event, Gespräche mit potenziellen Gästen oder eine kleine Umfrage in der Nachbarschaft. Was auf dem Papier funktioniert, muss nicht in der Realität bestehen.

Standort und Wettbewerb: Wann eine Lage wirklich zu deinem Konzept passt

Der Standort ist einer der stärksten Erfolgshebel — aber nur, wenn er zu deinem Konzept passt. Eine teure Innenstadtlage ist nicht automatisch besser als ein gut angebundenes Szenequartier.

Zentrale Standortfaktoren:

  • Laufkundschaft vs. Zielverkehr: Eine Kneipe lebt von Spontanbesuchen. Eine Cocktailbar kann auch in einer Seitenstraße funktionieren, wenn die Zielgruppe gezielt kommt.
  • Wettbewerb vor Ort: Wie viele Bars gibt es im Umkreis? Welche Konzepte fehlen? Konkurrenz ist nicht automatisch schlecht — sie zeigt, dass Nachfrage existiert.
  • Miete und Nebenkosten: Die Faustregel lautet: Miete maximal 10 % des geplanten Umsatzes. Liegt die Miete deutlich darüber, wird es schwer, profitabel zu arbeiten.
  • Erreichbarkeit: ÖPNV-Anbindung, Parkplätze, Fahrradstellplätze.
  • Außenbereich: In vielen Städten ist eine Terrasse oder ein Außenbereich ein entscheidender Umsatztreiber — prüfe, ob eine Genehmigung realistisch ist.
  • Anwohner und Sperrstunde: Lärm ist einer der häufigsten Konfliktpunkte. Informiere dich frühzeitig über lokale Sperrzeitregelungen und mögliche Auflagen.

Drei Fragen, die du vor der Standortentscheidung beantworten solltest

Bevor du einen Mietvertrag unterschreibst, solltest du drei Punkte belastbar klären — nicht schätzen, sondern prüfen:

  1. Wie viele direkte Wettbewerber gibt es im Einzugsgebiet? Zähl nicht nur Bars, sondern auch Restaurants und Clubs mit ähnlichem Abendangebot. Zu viel Konkurrenz um dieselbe Zielgruppe drückt die Auslastung.
  2. Kommt deine Zielgruppe spontan oder gezielt? Wenn dein Konzept auf Laufkundschaft angewiesen ist, brauchst du eine frequenzstarke Lage. Wenn Gäste gezielt kommen (z. B. für ein Cocktail-Erlebnis oder ein Event), funktionieren auch ruhigere Standorte.
  3. Trägt die potenzielle Marge die Miete und Nebenkosten? Rechne rückwärts: Welchen Monatsumsatz brauchst du, damit die Miete unter 10 % bleibt? Ist dieser Umsatz mit der erwartbaren Gästezahl realistisch?

⚠️ Achtung: Die typische Fehlentscheidung ist, sich in eine „coole Lage" zu verlieben, ohne die Wirtschaftlichkeit zu prüfen. Entscheide auf Basis von Zahlen — nicht auf Basis von Bauchgefühl.

Businessplan und Wirtschaftlichkeit: So prüfst du, ob dein Vorhaben tragfähig ist

Der Businessplan ist nicht nur ein Dokument für die Bank. Er zwingt dich, Konzept, Kosten, Umsätze und Risiken realistisch zu modellieren. Genau an dieser Stelle scheitern viele Bargründungen, bevor sie überhaupt starten.

Die wichtigsten Kapitel deines Businessplans

Kapitel Inhalt
Executive Summary Kurzfassung: Geschäftsidee, Zielgruppe, Alleinstellungsmerkmal
Markt- und Wettbewerbsanalyse Lokaler Markt, Konkurrenz, Zielgruppenanalyse
Konzept und Angebot Bartyp, Sortiment, Preisstruktur, Atmosphäre
Marketing und Vertrieb Eröffnungsstrategie, Social Media, lokale Sichtbarkeit
Organisation und Personal Rechtsform, Teamstruktur, Verantwortlichkeiten
Finanzplanung Kapitalbedarf, Umsatzprognose, Liquiditätsplan, Break-even

Wirtschaftlichkeit realistisch kalkulieren

Der kritischste Teil ist die Finanzplanung. Kalkuliere deinen Wareneinsatz (in Bars typischerweise 20–30 % des Umsatzes), die Personalkosten (30–40 %) und die Fixkosten (Miete, Energie, Versicherungen). Daraus ergibt sich dein Break-even — der Punkt, ab dem deine Bar Gewinn macht.

👉 Tipp: Rechne mit drei Szenarien — optimistisch, realistisch und pessimistisch. Wenn dein Konzept nur im optimistischen Szenario funktioniert, ist das Risiko zu hoch. Plane außerdem einen Liquiditätspuffer für mindestens drei bis sechs Monate ein.

Genehmigungen, Behörden und rechtliche Auflagen

Wer in Deutschland eine Bar mit Alkoholausschank betreibt, muss grundsätzlich verschiedene gewerbe-, gaststätten- und ordnungsrechtliche Anforderungen erfüllen. Die genauen Regelungen unterscheiden sich je nach Bundesland und Kommune — deshalb ist eine frühzeitige Abstimmung mit den lokalen Behörden in der Praxis unverzichtbar.

Gewerbeanmeldung und steuerliche Erfassung

Jede Bargründung beginnt mit der Gewerbeanmeldung beim zuständigen Gewerbeamt. Die Kosten liegen in der Regel bei 20–60 €. Parallel dazu erfolgt die steuerliche Erfassung beim Finanzamt — du erhältst eine Steuernummer und wirst umsatzsteuerlich erfasst.

Die Wahl der Rechtsform (Einzelunternehmen, GbR, UG oder GmbH) beeinflusst deine Haftung, Steuerlast und Buchführungspflichten. In vielen Fällen starten Bargründer als Einzelunternehmer — bei höherem Kapitaleinsatz oder mehreren Gesellschaftern kann eine UG oder GmbH sinnvoll sein.

Gaststättenerlaubnis und Schanklizenz

Für den Ausschank alkoholischer Getränke brauchst du in den meisten Bundesländern eine Gaststättenerlaubnis (oft auch Gaststättenkonzession oder Schanklizenz genannt). Dafür sind in der Regel folgende Unterlagen nötig:

  • Gaststättenunterrichtungsnachweis (IHK) — eine Schulung zu lebensmittelrechtlichen Grundlagen
  • Gesundheitsbelehrung nach § 43 Infektionsschutzgesetz (ersetzt seit 2001 das frühere Gesundheitszeugnis)
  • Polizeiliches Führungszeugnis
  • Auszug aus dem Gewerbezentralregister
  • Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Finanzamt
  • Grundriss und Nutzungsbeschreibung der Räumlichkeiten

💡 Merke: Für rein alkoholfreie Betriebe (z. B. Saftbar, Smoothie-Bar) ist nach dem Gaststättengesetz grundsätzlich keine Gaststättenerlaubnis erforderlich. Die Gewerbeanmeldung bleibt aber Pflicht.

Welche Themen du früh mit dem Ordnungsamt klären solltest

Viele Genehmigungsfragen hängen von lokalen Regelungen ab, die sich von Stadt zu Stadt unterscheiden. Kläre deshalb frühzeitig — am besten vor dem Mietvertrag — folgende Punkte direkt mit dem zuständigen Ordnungsamt oder der Gewerbebehörde:

  • Ist eine Gaststättenerlaubnis nötig, oder reicht eine Gestattung (z. B. bei temporären Konzepten)?
  • Welche Auflagen gelten für Außengastronomie (Sondernutzungserlaubnis, Möblierung, Flächenbegrenzung)?
  • Welche Sperrzeiten gelten in deiner Kommune — und gibt es Ausnahmeregelungen?
  • Bestehen baurechtliche Einschränkungen bezüglich Nutzungsänderung, Lärmpegel oder Anwohnerschutz?
  • Welche lokalen Sonderregeln gibt es, z. B. zum Nichtraucherschutz oder zu besonderen Genehmigungsfristen?

Ein kurzes Erstgespräch beim Ordnungsamt kostet nichts, kann aber Wochen an Verzögerung und unnötige Kosten verhindern.

Weitere Genehmigungen und Auflagen

Bereich Zuständig Was zu klären ist
Bauordnung Bauordnungsamt Nutzungsänderung, Brandschutz, Fluchtwege, Sanitäranlagen
Außengastronomie Straßenverkehrsbehörde / Ordnungsamt Sondernutzungserlaubnis für Tische und Stühle im Außenbereich
Musik / Unterhaltung GEMA Lizenzgebühren für Hintergrundmusik, Live-Auftritte, DJ-Sets
Sportübertragung Rechteinhaber (z. B. Sky, DAZN) Gewerbliche Übertragungsrechte für Public Viewing
Jugendschutz Ordnungsamt Aushangpflichten, Altersgrenzen, Zugangsregelungen
Nichtraucherschutz Landesrecht Rauchverbote, Ausnahmen (z. B. Einraumkneipen in einigen Bundesländern)
Sperrstunde Kommune / Ordnungsamt Öffnungszeiten, Lärmpegel, Ausnahmegenehmigungen

⚠️ Achtung: Die Bearbeitungszeiten für Genehmigungen variieren stark — in Großstädten können allein für die Gaststättenerlaubnis mehrere Wochen bis Monate vergehen. Plane diesen Vorlauf unbedingt in deinen Zeitplan ein. Im Zweifelsfall lohnt sich eine Erstberatung beim zuständigen Ordnungsamt oder der IHK.

Kosten: Startkapital, Eröffnungskosten und laufende Ausgaben realistisch kalkulieren

Bei der Bargründung werden die Kosten fast immer unterschätzt. Entscheidend ist eine saubere Trennung in einmalige Investitionen, Anlaufkosten und laufende Ausgaben — erst dann wird die Gründung planbar.

Einmalige Gründungskosten

Kostenposition Spanne (ca.) Hinweis
Mietkaution 5.000–25.000 € Meist 3 Monatsmieten
Umbau und Renovierung 10.000–40.000 € Abhängig vom Zustand des Objekts
Einrichtung und Ausstattung 15.000–40.000 € Bartheke, Möbel, Beleuchtung, Dekoration
Technik und Geräte 5.000–15.000 € Kühlung, Zapfanlage, Spülmaschine, Kassensystem
Getränke-Erstbestand 5.000–15.000 € Spirituosen, Bier, Wein, Softdrinks, Zutaten
Genehmigungen und Anmeldungen 1.000–5.000 € Gewerbeanmeldung, Gaststättenerlaubnis, Gesundheitsbelehrung
Marketing und Eröffnung 2.000–8.000 € Branding, Website, Social Media, Eröffnungsevent
Beratung und Gründungskosten 1.000–3.000 € Steuerberater, Rechtsberatung, ggf. Notarkosten

Gesamtrahmen für eine mittelgroße Bar (50–100 m²): In der Praxis liegt die Anfangsinvestition meist zwischen 50.000 und 120.000 € — je nach Konzept, Standort und Zustand der Räumlichkeiten.

Laufende monatliche Kosten

Die wichtigsten Positionen im laufenden Betrieb:

  • Miete und Nebenkosten: 1.500–4.000 €
  • Personal: 4.000–10.000 € (je nach Teamgröße und Öffnungszeiten)
  • Wareneinsatz: 2.000–6.000 € (Getränke, Zutaten, Verbrauchsmaterial)
  • Energie: 500–1.500 €
  • Versicherungen: 200–500 € (Betriebshaftpflicht, Inhaltsversicherung, ggf. Rechtsschutz)
  • GEMA, Rundfunkbeitrag: 50–300 €
  • Steuerberater, Buchhaltung: 200–500 €
  • Marketing: 200–800 €

👉 Tipp: Plane einen Liquiditätspuffer für mindestens drei, besser sechs Monate ein. Gerade in der Anlaufphase liegen die Einnahmen oft unter den Erwartungen — ohne Reserve wird es schnell kritisch.

Finanzierung: So gründest du mit Eigenkapital, Kredit oder alternativen Modellen

Ohne gesicherte Finanzierung scheitert selbst ein gutes Konzept. Eigenkapital ist hilfreich, aber nicht immer zwingend — entscheidend ist, dass Konzept, Sicherheiten und Kostenrahmen für Geldgeber plausibel sind.

Klassische Finanzierungswege

  • Eigenkapital: In der Praxis erwarten Banken einen Eigenkapitalanteil von mindestens 15–20 % der Gesamtinvestition.
  • Bankkredit: KfW-Startgeld, Hausbankkredite oder Mikrokredite sind typische Instrumente. Ein solider Businessplan ist Voraussetzung.
  • Fördermittel: Gründungszuschuss der Agentur für Arbeit, Landesförderprogramme oder regionale Bürgschaften — die Möglichkeiten variieren je nach Bundesland.
  • Investoren oder stille Beteiligung: Eine Option, wenn das Konzept skalierbar ist oder ein erfahrener Partner einsteigt.

Alternativen: Übernahme, Franchise, Pop-up

Eine Bar ohne Eigenkapital zu eröffnen ist grundsätzlich möglich, aber mit deutlich höherem Risiko verbunden. Realistische Wege:

  • Übernahme einer bestehenden Bar: Geringere Umbaukosten, bestehende Kundschaft, oft mit Ratenzahlung möglich.
  • Franchise: Bewährtes Konzept, Markenstärke und Einkaufsvorteile — dafür laufende Gebühren und weniger gestalterische Freiheit.
  • Pop-up-Bar: Temporäres Format mit niedrigem Kapitalbedarf, gut geeignet zum Testen von Konzept und Standort.
  • Leasing und Ratenkauf: Einrichtung und Technik müssen nicht komplett vorfinanziert werden.

⚠️ Achtung: „Bar ohne Eigenkapital" klingt attraktiv, bedeutet aber in der Regel höhere Zinslast, weniger Verhandlungsspielraum bei Mietverträgen und eine dünnere Sicherheitsdecke. Prüfe realistisch, ob das wirtschaftlich tragfähig ist.

Betrieb vorbereiten: Einrichtung, Personal, Lieferanten und Prozesse

Eine Bar scheitert nicht nur an Konzept oder Geld, sondern oft an der operativen Umsetzung. Bevor du die Türen öffnest, müssen Einrichtung, Abläufe, Team und Lieferanten stehen.

Atmosphäre und Einrichtung

Die Einrichtung muss zum Konzept passen — eine Cocktailbar braucht eine andere Atmosphäre als eine Sportsbar. Die wichtigsten Entscheidungen betreffen Bartheke (Herzstück des Betriebs), Beleuchtung (warmweiß, dimmbar), Möbel (Qualität vor Quantität) und Musikanlage.

Vergiss nicht die funktionalen Grundlagen: Kühlung, Lagerraum, Sanitäranlagen, Arbeitswege hinter der Theke und Barrierefreiheit nach den geltenden Bauvorschriften.

Personal finden und einarbeiten

Plane deinen Personalbedarf anhand der Öffnungszeiten, Gästezahl und Servicelevel. Für eine mittelgroße Bar brauchst du in der Regel mindestens 2–4 Servicekräfte plus dich selbst. Gute Barkeeper sind gefragt — investiere in eine strukturierte Einarbeitung mit klaren Abläufen für Service, Getränkeherstellung, Kassenbedienung und Hygiene.

Lieferanten und Prozesse

Vergleiche Lieferanten für Getränke, Zutaten und Verbrauchsmaterial sorgfältig. Brauerei-Bindungsverträge können attraktive Konditionen bieten (z. B. günstige Zapfanlage), schränken aber die Sortimentsfreiheit ein.

Definiere vor dem Opening die wichtigsten Betriebsprozesse: Schichtpläne, Kassenschluss, Bestellrhythmus, Reinigungsroutinen und Inventur. Je klarer die Abläufe vor der Eröffnung stehen, desto weniger Chaos in den ersten Wochen.

💡 Merke: Ein modernes Kassensystem spart im Tagesgeschäft viel Zeit — von der Abrechnung über die Umsatzauswertung bis zur Warenwirtschaft. Plane diesen Posten als festen Bestandteil deiner Betriebsausstattung ein.

Marketing vor und nach der Eröffnung: So gewinnst du die ersten Gäste

Gute Bars füllen sich nicht automatisch. Gerade in den ersten Monaten braucht es sichtbares Marketing, ein starkes Eröffnungskonzept und regelmäßige Gründe für Besuche.

Vor der Eröffnung:

  • Name, Logo, Branding — einprägsam, zum Konzept passend, einheitlich auf allen Kanälen.
  • Social Media starten (Instagram, ggf. TikTok) — schon während des Umbaus Einblicke geben, Vorfreude aufbauen, Eröffnungsdatum kommunizieren.
  • Google-Unternehmensprofil anlegen — entscheidend für die lokale Auffindbarkeit.
  • Eröffnungsevent oder Soft Opening planen — ein gezieltes Event erzeugt Aufmerksamkeit und erste Mundpropaganda.

Nach der Eröffnung:

  • Stammgastlogik: Regelmäßige Events (Quiz Night, Live-Musik, Themenabende) schaffen Wiederkehrgründe.
  • Bewertungen aktiv managen: Google-Rezensionen und Empfehlungen auf Plattformen wie Yelp oder TripAdvisor beeinflussen die Sichtbarkeit.
  • Community-Aufbau: Kooperationen mit lokalen Unternehmen, Foodbloggern oder Influencern können die Reichweite erhöhen.

👉 Tipp: Mundpropaganda ist der stärkste Kanal — aber sie muss verdient werden. Überrasche Gäste mit gutem Service, nicht nur mit guten Drinks.

Typische Fehler beim Bar eröffnen

Die meisten Fehler entstehen nicht durch eine einzelne falsche Entscheidung, sondern durch unrealistische Planung. Hier die häufigsten Stolperfallen:

  • Zu hohes Mietniveau: Die Miete frisst die Marge. Wer mehr als 10 % des Umsatzes für Miete ausgibt, hat wenig Spielraum.
  • Kein klares Konzept: „Einfach eine Bar" reicht nicht. Ohne Positionierung fehlt der Grund, genau in deine Bar zu kommen.
  • Zu optimistische Umsatzplanung: Viele Gründer kalkulieren mit voller Auslastung ab Monat eins. Realistischer: 6–12 Monate, bis die Bar wirtschaftlich stabil läuft.
  • Genehmigungen zu spät angehen: Behördliche Verfahren dauern. Wer zu spät startet, verschiebt die Eröffnung — und zahlt trotzdem Miete.
  • Marketing unterschätzen: Eine Bar ohne Sichtbarkeit bleibt leer, egal wie gut das Konzept ist.
  • Personal- und Prozessplanung vernachlässigen: Unklare Abläufe führen zu Chaos, Frust und Personalfluktuation.
  • Keine Liquiditätsreserve: Die ersten Monate kosten mehr als geplant. Ohne Puffer wird aus einer Durststrecke schnell eine Krise.

⚠️ Achtung: Auch der persönliche Aufwand wird häufig unterschätzt. Abende, Nächte, Wochenenden — als Barbetreiber bist du dauerhaft im Einsatz. Plane Erholungszeiten bewusst ein.

Checkliste: Bar eröffnen in 10 Schritten

  1. Konzept und Bartyp festlegen
  2. Zielgruppe definieren und Markt analysieren
  3. Standort auswählen und wirtschaftlich prüfen
  4. Businessplan erstellen (inkl. Finanzplanung und Szenarien)
  5. Genehmigungen beantragen (Gewerbe, Gaststättenerlaubnis, Bauordnung)
  6. Finanzierung sichern (Eigenkapital, Kredit, Förderung)
  7. Räumlichkeiten umbauen und einrichten
  8. Personal einstellen und einarbeiten
  9. Marketing starten (Social Media, Google, Eröffnungsevent)
  10. Opening durchführen und Betriebsabläufe optimieren

Häufige Fragen

Was braucht man, um eine Bar zu eröffnen?

Du brauchst ein Barkonzept, einen Businessplan, die passende Finanzierung und verschiedene Genehmigungen — insbesondere eine Gewerbeanmeldung und in den meisten Bundesländern eine Gaststättenerlaubnis. Dazu kommen eine IHK-Gaststättenunterrichtung und eine Gesundheitsbelehrung. Eine bestimmte Ausbildung ist nicht vorgeschrieben, praktische Gastronomieerfahrung ist aber ein klarer Vorteil.

Wie viel kostet es, eine Bar zu eröffnen?

Für eine mittelgroße Bar (50–100 m²) liegen die Gründungskosten in der Praxis meist zwischen 50.000 und 120.000 €. Die Spanne hängt vom Standort, Zustand der Räumlichkeiten, Bartyp und Ausstattungsniveau ab. Hinzu kommen laufende monatliche Kosten für Miete, Personal, Wareneinsatz und Energie.

Kann man eine Bar ohne Eigenkapital eröffnen?

Grundsätzlich ja — über Bankkredite, Fördermittel, Investoren oder die Übernahme einer bestehenden Bar. In der Praxis erwarten Banken aber in der Regel einen Eigenkapitalanteil von mindestens 15–20 %. Ohne Eigenkapital steigt das Risiko erheblich: Die Zinslast ist höher, der Verhandlungsspielraum bei Mietverträgen geringer und der finanzielle Puffer für die Anlaufphase fehlt. Wer diesen Weg geht, sollte umso konservativer kalkulieren und einen lückenlosen Businessplan vorlegen können.

Lohnt es sich, eine Bar zu eröffnen?

Das hängt stark vom Konzept, Standort und der Kalkulation ab. Die Margen im Getränkeverkauf sind grundsätzlich höher als in der Speisegastronomie — bei Cocktails oder Spirituosen können Aufschläge von 300–500 % realistisch sein. Gleichzeitig ist die operative Belastung hoch: Abend- und Nachtarbeit, Wochenendschichten, Personalführung und ein enger Kostenrahmen gehören zum Alltag. Eine gut positionierte Bar mit klarem USP und einer treuen Stammkundschaft kann wirtschaftlich attraktiv sein — aber die Anlaufphase dauert oft 6–12 Monate, und nicht jedes Konzept überlebt sie.

Kann man eine Bar nebenberuflich eröffnen?

Grundsätzlich möglich, aber in der Praxis sehr anspruchsvoll. Die typischen Öffnungszeiten einer Bar (abends und nachts) kollidieren oft mit einem Hauptjob. Prüfe vorab, ob dein Arbeitsvertrag eine Nebentätigkeit erlaubt, und plane realistisch ein, dass du auch tagsüber Einkauf, Behördengänge und Organisation erledigen musst.

Was ist der Unterschied zwischen Schanklizenz und Gaststättenerlaubnis?

Die Begriffe werden umgangssprachlich oft synonym verwendet. Korrekt bezeichnet die Gaststättenerlaubnis (auch Gaststättenkonzession) die behördliche Genehmigung zum Betrieb einer Gaststätte mit Alkoholausschank. „Schanklizenz" ist kein offizieller Rechtsbegriff, meint aber in der Regel dasselbe. Die Gaststättenerlaubnis umfasst dabei mehr als nur den Alkoholausschank — sie regelt den gesamten Gaststättenbetrieb.

Braucht man für alkoholfreie Getränke auch eine Genehmigung?

Für den reinen Ausschank alkoholfreier Getränke ist nach dem Gaststättengesetz grundsätzlich keine Gaststättenerlaubnis erforderlich. Die Gewerbeanmeldung bleibt aber Pflicht. Ebenso gelten die allgemeinen Hygienevorschriften und ggf. baurechtliche Auflagen — auch ohne Alkohol im Sortiment.

Christian
Christian
Gründer von shoperate

Eine Bar zu eröffnen ist ein Vorhaben, das Planung, Kapital und Durchhaltevermögen erfordert — aber bei sauberer Umsetzung ein wirtschaftlich attraktives Geschäftsmodell sein kann.

Die wichtigsten Stellschrauben: ein klares Konzept, das sich vom Wettbewerb unterscheidet. Ein realistischer Businessplan, der auch das pessimistische Szenario aushält. Ein Standort, der zur Zielgruppe passt — nicht nur zur eigenen Vorstellung. Und eine Finanzierung, die genug Spielraum für die Anlaufphase lässt.

Wer sich die Zeit nimmt, diese Grundlagen sauber aufzusetzen — von der Gewerbeanmeldung über die Gaststättenerlaubnis bis zur Eröffnungskampagne — schafft die beste Basis für einen erfolgreichen Start.

lg Christian und das Team von shoperate

shoperate | Die smarte Registrierkasse
Die smarte Registrierkasse

Alle Angaben in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Eine Garantie kann dafür aber nicht abgegeben werden. Insbesondere stellt dieser Artikel keine Rechts- oder Steuerberatung dar.

Jetzt kostenlos testen.

Teste jetzt shoperate einen Monat gratis und unverbindlich. Anmelden, downloaden, loslegen!

Jetzt kostenlos testen