Wer in Österreich einen Friseursalon eröffnen will, braucht zuerst den passenden Gewerbezugang, dann einen tragfähigen Businessplan, geeignete Räume, eine geklärte Betriebsanlage, Finanzierung, Kasse und Schutzmaßnahmen. Diese Checkliste führt dich Schritt für Schritt durch die Gründung — von der Befähigung bis zur Eröffnung.

Bevor du in die Details gehst, hier der komplette Ablauf in der richtigen Reihenfolge. Jeder Punkt wird unten als eigener Abschnitt ausführlich erklärt. So siehst du auf einen Blick, wo du gerade stehst und was als Nächstes ansteht.
👉 Tipp: Arbeite die Checkliste nicht parallel ab, sondern in der Reihenfolge. Wer zum Beispiel den Mietvertrag unterschreibt, bevor die Betriebsanlagenfrage geklärt ist, riskiert teure Umbauten oder einen ungeeigneten Standort.
Friseure und Perückenmacher zählen in Österreich zu den reglementierten Gewerben. Wer das Gewerbe selbstständig ausüben will, muss die fachliche Eignung nachweisen. Diesen Nachweis nennt man Befähigungsnachweis. Er ist die wichtigste Hürde vor jeder anderen Vorbereitung.
Der klarste Weg ist die Meisterprüfung im Friseur- und Perückenmacherhandwerk. Sie ist der klassische Standardnachweis und wird von jeder Gewerbebehörde anerkannt. Daneben regelt die Friseure- und Perückenmacher-Verordnung weitere Zugangsmöglichkeiten, etwa über bestimmte Ausbildungen kombiniert mit fachlicher Tätigkeit. Welche Variante in deinem Fall passt, hängt von Ausbildung, Praxiszeiten und Zeugnissen ab.
Wenn du den Standardnachweis nicht erfüllst, gibt es grundsätzlich zwei zusätzliche Wege:
Beide Wege funktionieren, sind aber kein Selbstläufer. Die Behörde entscheidet im Einzelfall, und gerade die individuelle Befähigung will gut dokumentiert sein.
⚠️ Achtung: Begriffe wie „Meisterbrief" oder „Handwerkskammer" stammen aus Deutschland und passen nicht zur österreichischen Rechtslage. Für Österreich gelten Befähigungsnachweis, Meisterprüfung und gewerberechtliche Geschäftsführung — vergiss alles, was du auf deutschen Gründerseiten zu HwO und Eintragungsverfahren liest.
Die drei Begriffe werden oft vermischt, meinen aber Unterschiedliches. Der Befähigungsnachweis ist der Oberbegriff für jede zugelassene Form, deine fachliche Eignung nachzuweisen. Die Meisterprüfung ist eine konkrete Form dieses Nachweises — sie steht an der Spitze der Friseurausbildung und wird von der Wirtschaftskammer abgenommen. Die individuelle Befähigung ist ein separater Antrag bei der Gewerbebehörde, wenn du keine standardisierte Prüfung vorweisen kannst, dafür aber Erfahrung, Schulungen oder Tätigkeitsnachweise.
In der Praxis bedeutet das: Wer die Meisterprüfung hat, ist auf der sicheren Seite. Wer sie nicht hat, sollte vor Mietvertrag und Investitionen mit der zuständigen Bezirkshauptmannschaft oder dem Magistrat klären, welcher Weg im konkreten Fall trägt.
Bevor du Räume mietest oder Möbel bestellst, muss das Konzept stehen. Ein guter Friseursalon ist nicht „alles für alle", sondern hat eine klare Position. Diese Klarheit entscheidet später über Standort, Einrichtung, Preise, Personal und Marketing.
Beantworte fĂĽr dein Konzept fĂĽnf Fragen:
👉 Tipp: Schreibe dein Konzept in zwei bis drei Sätzen auf. Wenn diese Sätze klar verständlich sind, hast du eine Basis. Wenn sie schwammig klingen, fehlt noch Schärfe.
Vermeide den klassischen Anfangsfehler, alle möglichen Leistungen anzubieten, um „niemanden auszuschließen". Das Gegenteil passiert: Du bist für niemanden die erste Wahl. Ein Salon, der für eine bestimmte Zielgruppe perfekt passt, gewinnt schneller Stammkund:innen als ein Allround-Anbieter ohne Profil.
Auch die Standortlogik gehört zum Konzept. Ein Premium-Farbsalon braucht andere Lage und Sichtbarkeit als ein Familien-Salon im Wohngebiet oder ein Barbershop in einer Einkaufsstraße. Wer das Konzept zuerst klärt und dann den Standort sucht, trifft bessere Entscheidungen.
Checkliste — Passt dein Konzept?
âś… Zielgruppe in einem Satz beschreibbar
✅ Kernangebot klar definiert (max. 6–8 Hauptleistungen)
âś… Spezialisierung oder Alleinstellung formuliert
✅ Preisniveau bewusst gewählt
âś… Stil passt zur Zielgruppe und zum geplanten Standort
Der Businessplan verbindet das Konzept aus Schritt 2 mit konkreten Zahlen. Er zeigt, ob dein Vorhaben wirtschaftlich tragfähig ist — also, ob die geplanten Einnahmen die Kosten decken und am Ende genug Gewinn übrig bleibt. Banken, Förderstellen und Investor:innen verlangen ihn ohnehin. Wichtiger ist: Du brauchst ihn für dich selbst, um Risiken zu erkennen, bevor sie real werden.
Ein Friseur-Businessplan deckt diese Kapitel ab:
💡 Hinweis: Der Finanzplan ist das Herz des Businessplans. Wer ihn nur grob ausfüllt, übersieht oft, dass die ersten Monate weniger Umsatz bringen als geplant — Stammkund:innen müssen erst aufgebaut werden. Eine Anlaufreserve für mindestens drei bis sechs Monate gehört in jeden seriösen Plan.
Wenn du keinen Anhaltspunkt hast, beginne mit dieser Struktur. Sie ist bewusst kurz gehalten, damit du schnell ins Schreiben kommst und nicht im Aufbau hängen bleibst.
Die konkreten Kostenblöcke und Beispielrechnungen findest du weiter unten in Schritt 8. Hier reicht es, wenn du die Kapitelstruktur verstehst und weißt, welche Frage jedes Kapitel beantwortet.
Mit dem Konzept im Kopf entscheidest du, in welcher Rechtsform du gründest. Für viele Friseursalons ist das Einzelunternehmen der praktische Start: einfach anzumelden, kostengünstig, keine Mindestkapital-Anforderung. Die Haftung ist dafür unbeschränkt — du haftest mit deinem Privatvermögen.
Alternativen kommen ins Spiel, wenn du mit Partner:innen grĂĽndest oder die Haftung trennen willst:
Welche Form passt, hängt von Risiko, Kapitalbedarf und Steuersituation ab. Eine kurze Beratung beim Steuerberater oder bei der WKO bringt hier oft mehr Klarheit als jede Online-Recherche.
Steuerlich brauchst du:
⚠️ Achtung — Kleinunternehmerregelung: Seit 2025 gilt in Österreich grundsätzlich eine Umsatzgrenze von 55.000 Euro brutto pro Jahr. Wer darunter bleibt, kann auf die Umsatzsteuerbefreiung optieren — du stellst Rechnungen ohne Umsatzsteuer aus, kannst aber auch keine Vorsteuer geltend machen. Für Friseursalons mit hohen Investitionen am Anfang ist die Kleinunternehmerregelung oft nicht sinnvoll, weil dir der Vorsteuerabzug auf Einrichtung und Geräte verloren geht. Eine sauber gerechnete Entscheidung gehört in jeden Businessplan.
👉 Tipp: Lege dich nicht zu früh fest. Sprich vor der Gewerbeanmeldung mit einem Steuerberater oder einer Steuerberaterin über deine Umsatzplanung, Investitionen und private Situation. Eine Stunde Beratung spart oft Jahre an Korrekturen.
Sobald Befähigung und Rechtsform stehen, meldest du das Friseurgewerbe an. Zuständig ist in der Regel die Bezirkshauptmannschaft am Standort des Betriebs, in Statutarstädten der Magistrat. In Wien ist es das Magistratische Bezirksamt. Die Anmeldung kannst du persönlich, per Post oder online über das Unternehmensserviceportal durchführen.
Du brauchst diese Unterlagen:
Allgemeine Voraussetzungen sind die Eigenberechtigung (Volljährigkeit), eine österreichische Staatsbürgerschaft oder eine entsprechende gleichgestellte Aufenthaltsberechtigung, und keine Ausschlussgründe wie etwa relevante strafrechtliche Verurteilungen.
Bei reglementierten Gewerben kommt die besondere Voraussetzung dazu: der Befähigungsnachweis. Ohne ihn — oder ohne anerkannte Alternative — kann die Gewerbeberechtigung nicht ausgestellt werden.
Wenn alle Unterlagen vollständig sind, wird das Gewerbe eingetragen und im Gewerbeinformationssystem Austria (GISA) erfasst. Den GISA-Auszug brauchst du später für Bank, Lieferant:innen, Versicherungen und manche Förderanträge.
💡 Hinweis: Die Gewerbeanmeldung selbst ist seit 2018 in vielen Fällen gebührenfrei, wenn sie persönlich oder elektronisch über das USP erfolgt. Anfallen können trotzdem Kosten für Beglaubigungen, Übersetzungen oder die Bearbeitung der Befähigungsprüfung. Erkundige dich bei deiner Behörde nach dem konkreten Stand.
⚠️ Achtung: Die Gewerbeanmeldung regelt nur, dass du das Gewerbe ausüben darfst. Sie sagt nichts darüber aus, ob deine konkreten Räume genutzt werden dürfen. Die zweite Frage — Betriebsanlage — wird in Schritt 6 geklärt und sollte vorher passieren.
Der Standort ist eine der teuersten Entscheidungen, die du triffst. Ein guter Standort gleicht viele andere Schwächen aus, ein schlechter macht selbst das beste Konzept zunichte. Gleichzeitig hängt vom Standort ab, ob deine Räume gewerberechtlich überhaupt geeignet sind.
Bei der Standortwahl bewertest du:
Prüfliste — Ist der Standort geeignet?
âś… Lage passt zur Zielgruppe
âś… Quadratmeter reichen fĂĽr Konzept und Wachstum
âś… Wasser, Strom, LĂĽftung sind salontauglich
âś… Mietvertrag erlaubt Friseurnutzung explizit
âś… Umbau- und RĂĽckbauklauseln sind klar geregelt
âś… KĂĽndigungsfristen passen zum Risiko
✅ Betriebsanlagenfrage geklärt (siehe unten)
Eine Betriebsanlage ist im Sinn der Gewerbeordnung jede örtlich gebundene Einrichtung, die regelmäßig zur Ausübung eines Gewerbes dient. Genehmigungspflichtig wird sie grundsätzlich dann, wenn von ihr Auswirkungen auf Nachbarschaft, Kund:innen, Arbeitnehmer:innen oder Umwelt ausgehen können — etwa durch Lärm, Geruch, Abwasser, Lüftung, Chemikalienlagerung oder bauliche Veränderungen.
FĂĽr Friseursalons sind diese Punkte typischerweise relevant:
Ob deine konkrete Anlage genehmigungspflichtig ist, entscheidet die Gewerbebehörde — Bezirkshauptmannschaft oder Magistrat. Pauschalaussagen sind hier unseriös. Manche kleine Salons brauchen kein eigenes Verfahren, andere mit ähnlicher Größe schon, weil sich Nachbarschaft, Bauweise oder Lüftung unterscheiden.
Für Anlagen mit geringem Gefährdungspotenzial sieht die Gewerbeordnung vereinfachte Verfahren und Genehmigungsfreistellungen vor (§ 359b GewO und Genehmigungsfreistellungsverordnung). Friseurbetriebe werden in der Praxis häufig als Beispiel für genehmigungsfähige oder freigestellte Anlagen genannt — gleichzeitig hängt die konkrete Einstufung immer vom Einzelfall ab.
💡 Hinweis: Klär die Betriebsanlagenfrage vor dem Mietvertrag. Wer den Vertrag unterschreibt und erst dann erfährt, dass aufwendige Umbauten nötig sind oder der Standort nicht freigestellt werden kann, sitzt auf vermeidbaren Kosten. Eine kurze Anfrage bei der zuständigen Behörde mit den geplanten Räumen und dem Konzept reicht meist, um eine Einschätzung zu bekommen.
Einrichtung ist mehr als Optik. Sie entscheidet darüber, wie effizient ihr arbeitet, wie wohl sich Kund:innen fühlen und wie schnell ihr im Alltag den Betrieb hinbekommt. Wer hier nur nach Preis kauft, zahlt später drauf — durch Rückenprobleme im Team, schlechte Wege im Salon oder ständige Reparaturen.
Ein klassischer Friseursalon braucht diese Bereiche:
Bei der Ausstattung bewährt sich eine klare Linie zwischen Qualität bei Dauer-Arbeitsgeräten und Sparen bei Verbrauchsmaterial. Föhne, Schneidemaschinen, Stühle und Spiegel werden täglich genutzt — billige Geräte fallen schneller aus oder belasten die Gelenke des Teams. Handtücher, Umhänge oder Verbrauchsprodukte kannst du dagegen pragmatisch einkaufen.
👉 Tipp: Wer den Salon einrichten will, plane vor dem Möbelkauf den Tagesablauf durch. Wo läuft die Friseurin mit der frisch angerührten Farbe entlang? Wie viele Schritte sind es vom Bedienplatz zum Waschplatz? Eine schlechte Raumaufteilung kostet jede Woche Stunden — und macht den Salon hektisch.
Eine seriöse Pauschalsumme für die Eröffnung eines Friseursalons in Österreich gibt es nicht. Die Kosten hängen stark von Standort, Größe, Umbaubedarf, Ausstattungsniveau, Konzept und Personalstruktur ab. Sinnvoller als eine Wunschzahl ist deshalb eine saubere Trennung zwischen einmaligen Kosten für die Eröffnung und laufenden Kosten im Betrieb — und eine ehrliche Beispielrechnung pro Salongröße.
Diese Posten fallen einmalig an, bevor der erste Umsatz reinkommt. Sie sind der Hauptteil deines Kapitalbedarfs.
Die folgenden Werte sind Beispielannahmen für einen einfachen Salon in mittlerer Lage, ca. 50 m². Sie sollen dir eine Orientierung geben — deine echten Zahlen können je nach Standort, Umbaubedarf und Ausstattungsniveau deutlich abweichen.
Wieder als Beispielannahme für einen mittelgroßen Salon in guter Lage, ca. 90–120 m², mit modernem Ausstattungsniveau und Team.
⚠️ Achtung: Die häufigste Fehleinschätzung betrifft die Anlaufreserve. Stammkund:innen entstehen nicht in der ersten Woche, sondern aufgebaut über Monate. Wer ohne Reserve startet, gerät in Liquiditätsdruck, sobald Miete und Personalkosten zu zahlen sind, der Umsatz aber noch unter Plan liegt.
Die laufenden Kosten entscheiden, wie viele Termine du im Monat brauchst, um schwarze Zahlen zu schreiben. Miete und Personal sind in fast jedem Salon die zwei größten Posten.
Eine einfache Faustformel hilft dir, deine Auslastung realistisch einzuschätzen:
👉 Monatliche Fixkosten ÷ durchschnittlicher Rohertrag pro Termin = nötige Termine pro Monat
Ein Beispiel: Dein Salon hat monatliche Fixkosten von 6.000 € (Miete, Versicherung, Software, Grundenergie ohne variable Personalkosten). Pro Termin bleiben dir nach Material und variablen Kosten im Schnitt 50 € Rohertrag. Dann brauchst du 6.000 € ÷ 50 € = 120 Termine pro Monat, nur um die Fixkosten zu decken. Alles darüber finanziert Personal, Steuern und Gewinn.
👉 Tipp: Spiele die Formel mit zwei oder drei Szenarien durch — vorsichtig, realistisch, optimistisch. So siehst du, wie sensibel dein Modell auf Auslastung und Preise reagiert.
Aus den Kosten entstehen die Preise. Eine seriöse Kalkulation berücksichtigt Zeit, Material, Qualifikation, Haarlänge und das Marktumfeld. Wer ausschließlich nach Konkurrenzpreisen kalkuliert, geht oft zu niedrig in den Markt — der Konkurrent hat vielleicht abgeschriebene Möbel oder einen alten Mietvertrag.
Eine Preisliste sollte typische Friseur-Dienstleistungen klar abbilden:
Die Preisauszeichnung gehört in Österreich für Konsumentenschutz und Kund:innenklarheit gut sichtbar in den Salon — entweder als Preisliste am Empfang, im Wartebereich oder digital. Klare Preise verhindern Missverständnisse und sorgen für Vertrauen an der Kasse.
Bei der Finanzierung bist du nicht auf eine Quelle festgelegt. Eigenkapital, Bankkredit, Förderungen über AWS, WKO-Beratungen oder Landesstellen, Mikrokredite oder Lieferanten-Konditionen können kombiniert werden. Eine Förderberatung über die WKO ist meist kostenlos und schnell zu bekommen — der Aufwand lohnt sich.
Spätestens am Eröffnungstag müssen alle Zahlungs- und Aufzeichnungsprozesse stehen. Wer hier nachlässig startet, hat in den ersten Monaten doppelte Arbeit oder Probleme beim ersten Steuertermin.
In Österreich greift die Registrierkassenpflicht grundsätzlich, wenn beide Grenzen überschritten werden:
Ab dem Folgemonat des Überschreitens brauchst du eine manipulationssichere Registrierkasse mit Sicherheitseinrichtung. Viele Friseursalons erreichen die Grenzen früh. Deshalb ist es praktisch sinnvoll, die Registrierkasse schon vor der Eröffnung einzurichten. Zusätzlich gilt die Belegerteilungspflicht: Du musst für jeden Geschäftsvorgang einen Beleg ausstellen, und Kund:innen müssen ihn entgegennehmen.
Praktisch gehört das zur Grundausstattung:
Checkliste — Digitale Grundausstattung am Eröffnungstag
✅ Registrierkasse mit Sicherheitseinrichtung läuft
âś… Belege werden korrekt ausgestellt
âś… Kartenzahlung funktioniert
âś… Online-Terminbuchung ist eingerichtet
âś… Kund:innenkartei mit DSGVO-konformen Einwilligungen
âś… Schnittstelle oder klarer Prozess zur Buchhaltung
💡 Hinweis: Datenschutz beginnt am ersten Tag. Wer Termin- und Kund:innendaten speichert, braucht eine Datenschutzerklärung, klare Einwilligungen und dokumentierte Aufbewahrungsfristen. Bei Online-Buchung kommt eine eigene Information beim Buchungsprozess dazu.
Im Friseursalon treffen mehrere Risiken zusammen: Wasser, Chemikalien, Hautkontakt, elektrische Geräte, scharfe Werkzeuge und stundenlanges Stehen. Sobald du Arbeitnehmer:innen beschäftigst, greift das ArbeitnehmerInnenschutzgesetz (ASchG). Es verpflichtet dich, Gefahren zu ermitteln, zu beurteilen, Maßnahmen festzulegen und alles zu dokumentieren.
Diese Punkte gehören vor der Eröffnung erledigt:
Unterweisung des Teams beim Eintritt und mindestens einmal jährlich.
Hauterkrankungen sind im Friseurberuf das häufigste anerkannte Berufsrisiko. Ständiger Kontakt mit Wasser, Shampoos, Färbemitteln und Reinigern reizt die Haut, besonders in den ersten Berufsjahren. Vorbeugung ist deshalb keine Empfehlung, sondern Pflicht für Arbeitgeber:innen.
In der Praxis bewährt sich:
⚠️ Achtung: Latexhandschuhe sind in vielen Salons aus dem Standard verschwunden, weil sie selbst Allergien auslösen können. Nitril ist heute der Standard.
Ein Hygieneplan macht die täglichen Routinen für alle im Team nachvollziehbar. Er ist nicht nur eine Pflichtübung, sondern reduziert Reklamationen und schützt euch und die Kund:innen.
💡 Hinweis: Bei Hygiene und Schutzmaßnahmen helfen WKO und AUVA mit branchenspezifischen Leitfäden für Friseur:innen. Sie ersparen viel Recherche und liefern Vorlagen, die direkt einsetzbar sind.
Personal ist nicht nur Recruiting. Vor dem ersten Arbeitstag müssen Anmeldungen, Verträge, Arbeitszeiten und Abläufe stehen. Wer hier improvisiert, riskiert Bußgelder, verärgerte Mitarbeiter:innen und chaotische Tage im Salon.
Diese Schritte gehören erledigt:
Friseursalons in Österreich dürfen werktags grundsätzlich durchgehend offenhalten — also von Montag 0:00 Uhr bis Samstag 24:00 Uhr. Das ist die gewerberechtliche Öffnungszeit. Sie sagt aber nichts darüber aus, wann du Arbeitnehmer:innen tatsächlich beschäftigen darfst.
Für die Beschäftigung von Mitarbeiter:innen gelten die Regeln des Kollektivvertrags und der Arbeitszeitgesetze. Sie sind enger als die Öffnungsmöglichkeiten:
⚠️ Achtung: Wer die Öffnungszeiten so plant, dass Mitarbeiter:innen außerhalb der zulässigen Beschäftigungszeiten eingesetzt werden, riskiert Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz und den Kollektivvertrag. Der Plan muss die engere Logik berücksichtigen, nicht die weitere.
Checkliste — Vor dem ersten Arbeitstag
âś… Ă–GK-Anmeldung erfolgt
✅ Arbeitsverträge unterschrieben
âś… Kollektivvertrag bekannt und Lohn korrekt eingestuft
âś… Arbeitszeiten innerhalb der KV-Regeln geplant
âś… Sicherheits- und Hygieneunterweisung dokumentiert
âś… Vertretungsregelung steht
âś… Terminbuchung ist im Team kommuniziert
👉 Tipp: Hol dir bei der Lohnverrechnung und beim Kollektivvertrag professionelle Unterstützung. Eine fehlerhafte Einstufung wird oft erst bei Prüfungen sichtbar — die Nachzahlungen sind dann schmerzhaft.
Versicherungen ersetzen keine sauberen Abläufe, federn aber finanzielle Folgen ab, wenn doch etwas schiefgeht. Für einen Friseursalon sind diese Bereiche typisch:
Cyber- und Datenschutzversicherung: Sinnvoll, sobald Online-Buchung, Kund:innenkartei und Bezahlsysteme digital sind.
💡 Hinweis: Lass dich nicht zur teuersten Lösung drängen, aber unterschätze die Betriebshaftpflicht nicht. Sie ist die wichtigste Police im Friseurbetrieb. Personenschäden sind selten, aber im Schadensfall sehr teuer.
Marketing beginnt nicht am Eröffnungstag, sondern Wochen davor. Wer erst zur Eröffnung sichtbar wird, verschenkt die Vorlauf-Aufmerksamkeit.
Die wichtigsten Marketing-Grundlagen fĂĽr einen Salon sind ĂĽberschaubar:
30-Tage-Eröffnungsplan
👉 Tipp: Plane Marketing als laufenden Prozess, nicht als Eröffnungsspike. Wer nach der Eröffnung aufhört zu posten und keine Bewertungen mehr sammelt, verliert in der lokalen Sichtbarkeit Platz an Konkurrenz, die dranbleibt.
Wenn du klassische Friseurleistungen anbietest, gelten fĂĽr Haarfärbemittel die ĂĽblichen Regeln: HerstellerÂangaben einhalten, Warnhinweise beachten, geeignete Handschuhe tragen, LĂĽftung sicherstellen, Patch-Test bei Erstanwendung anbieten. Allergische Reaktionen sind selten, aber ernst zu nehmen. Eine kurze Anamnese und Dokumentation helfen, Risiken zu reduzieren und Reklamationen nachvollziehbar zu behandeln.
Eine wichtige Ă„nderung betrifft Salons mit Zusatzleistungen im Nageldesign: Der Inhaltsstoff TPO (TrimethylbenzoylÂdiphenylÂphosphinoxid) ist seit dem 1. September 2025 in kosmetischen Produkten in der EU verboten. Praktisch betrifft das vor allem UV-/LED-Gele und Hybrid-Nagellacke, die TPO als Photoinitiator enthielten. Klassische Haarfärbemittel sind davon in der Regel nicht betroffen.
⚠️ Achtung — relevant, wenn du Nageldesign anbietest:
Für Haarstyling-Bereiche (Färben, Strähnen, Blondierung) bleibt der Standard: Herstellervorgaben einhalten, Mischverhältnisse korrekt halten, Einwirkzeiten beachten, dokumentierte Patch-Tests bei reaktiven Produkten.
Nicht jede Gründung ist ein klassischer Salon mit Mietfläche und Team. Wer gerade mit der Planung startet, sollte die Alternativen kennen — sie haben jeweils eigene rechtliche, organisatorische und wirtschaftliche Anforderungen.
Welches Modell passt, hängt von Kapital, Risikoneigung, Lebenssituation und Zielgruppe ab. Wer wenig Kapital, aber Erfahrung hat, startet oft über Stuhlmiete oder mobil und wechselt später in den eigenen Salon.
Viele Probleme beim Salon-Start entstehen nicht durch fehlende Motivation, sondern durch zu schnelle Entscheidungen an den falschen Stellen. Diese Fehler sehen Steuerberater:innen, Branchenberater:innen und WKO-Stellen besonders häufig:
💡 Merke: Die meisten dieser Fehler kosten nicht im ersten Monat, sondern im sechsten — wenn die Reserve aufgebraucht ist und Korrekturen teuer werden. Wer die Vorbereitung gründlich macht, spart später ein Vielfaches.
Du brauchst die gewerberechtliche Eignung für das reglementierte Friseur- und Perückenmacher-Gewerbe — also einen Befähigungsnachweis oder eine zugelassene Alternative wie individuelle Befähigung oder gewerberechtliche Geschäftsführung. Dazu kommen ein durchdachtes Konzept, ein Businessplan, eine geeignete Rechtsform, die Gewerbeanmeldung, ein Standort mit geklärter Betriebsanlagenfrage, eine Kostenplanung mit Reserven sowie Hygiene- und Schutzmaßnahmen für den Betrieb. Die Reihenfolge zählt: Erst Befähigung und Konzept, dann Standort, dann Anmeldung und Investitionen.
In Österreich ist das nicht ohne Weiteres möglich, aber es gibt Wege. Du kannst eine individuelle Befähigung nach § 19 GewO beantragen, wenn du Kenntnisse und Erfahrung anders nachweisen kannst. Oder du nimmst eine gewerberechtliche Geschäftsführung ins Boot — eine Person mit Befähigungsnachweis, die im Betrieb tatsächlich tätig ist und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt. Die Behörde entscheidet im Einzelfall. Für die Detailtiefe siehe den Ratgeber Friseursalon ohne Meister eröffnen.
Eine seriöse Pauschalsumme gibt es nicht. Als Beispielannahme: Ein kleiner Salon mit zwei Bedienplätzen kommt schnell auf rund 30.000 € Investition plus 15.000 € Anlaufreserve, ein mittlerer Salon mit vier bis sechs Bedienplätzen liegt eher bei 90.000 € Investition plus 50.000 € Reserve. Die Kosten hängen von Standort, Größe, Umbaubedarf, Ausstattung und Konzept ab. Plane in jedem Fall eine Reserve für drei bis sechs Monate laufende Kosten ein — das ist die häufigste Stelle, an der Gründungen straucheln.
Das hängt vom konkreten Standort und der geplanten Anlage ab. Friseurbetriebe können unter Genehmigungsfreistellungen oder vereinfachte Verfahren nach § 359b GewO fallen, wenn die Auswirkungen auf Nachbarschaft und Umwelt gering sind. Andere Standorte brauchen ein reguläres Verfahren — etwa wegen Lüftung, Lärm, Abwasser oder baulicher Veränderungen. Eine pauschale Antwort ist unseriös. Klär die Frage vor dem Mietvertrag mit der zuständigen Bezirkshauptmannschaft oder dem Magistrat.
Die Registrierkassenpflicht greift grundsätzlich, wenn du beide Grenzen überschreitest: 15.000 Euro Jahresumsatz pro Betrieb und 7.500 Euro Barumsatz pro Jahr. Ab dem Folgemonat des Überschreitens brauchst du eine manipulationssichere Kasse mit Sicherheitseinrichtung. Viele Friseursalons erreichen die Grenzen früh, deshalb ist es praktisch sinnvoll, die Kasse schon vor der Eröffnung einzurichten. Zusätzlich gilt die Belegerteilungspflicht: Für jeden Geschäftsvorgang muss ein Beleg ausgestellt werden.
Grundsätzlich ja — aber mit mehreren Voraussetzungen gleichzeitig. Du brauchst die Gewerbeberechtigung wie bei jedem Friseursalon. Dazu müssen die Räume nutzungsrechtlich geeignet sein (Mietvertrag, Wohnungseigentumsrecht, Hausordnung), die Betriebsanlagenfrage muss geklärt werden, die Hygienestandards müssen erfüllt sein und der Kundenzugang muss praktisch funktionieren. Manche Wohnsituationen schließen einen Friseursalon zu Hause aus. Mehr dazu im Ratgeber Friseursalon zu Hause eröffnen.
Realistisch sind mehrere Wochen bis mehrere Monate. Die Dauer hängt davon ab, wie schnell du den Befähigungsnachweis erbringst, wie lange die Betriebsanlagenfrage am Standort braucht, ob bauliche Umbauten notwendig sind und wie zügig die Finanzierung steht. Schnell sind sechs bis acht Wochen, wenn alles passt. Realistischer sind drei bis sechs Monate, sobald Umbauten, Genehmigungen oder Förderanträge dazukommen. Plane Pufferzeit ein, statt knappe Eröffnungstermine zu kommunizieren.
Förderungen können von Bund, Land, AWS (Austria Wirtschaftsservice), der WKO und ihren Beratungsstellen oder Banken kommen. Üblich sind Gründungsberatungen, Zuschüsse zu bestimmten Investitionen, Mikrokredite und Lehrlingsförderungen. Die konkreten Programme ändern sich regelmäßig, deshalb lohnt eine Beratung beim WKO-Gründerservice deines Bundeslandes — sie ist meist kostenlos und liefert eine aktuelle Übersicht passend zu deiner Situation.

Einen Friseursalon in Österreich zu eröffnen ist gut machbar, wenn die Reihenfolge stimmt. Erst der Befähigungsnachweis, dann das Konzept, dann der Businessplan, dann Standort und Betriebsanlage — und erst danach Mietvertrag, Investitionen und Personal.
Wer diese Reihenfolge einhält, vermeidet die teuersten Fehler: ungeeignete Räume, zu knappe Reserven, falsche Preise und ein zu spät startendes Marketing. Drei bis sechs Monate Vorbereitungszeit sind realistisch, ebenso die frühzeitige Einbindung von Steuerberatung und Gewerbebehörde.
Hygiene, Schutzmaßnahmen und Kassenpflichten sind dabei kein Nebenthema, sondern Pflichtprogramm. Wer sie von Anfang an mitplant, startet nicht nur regelkonform, sondern auch mit klaren Abläufen — und das spart in den ersten Monaten mehr Zeit und Geld als jeder Marketing-Trick.
lg Christian und das Team von shoperate
Alle Angaben in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Eine Garantie kann dafĂĽr aber nicht abgegeben werden. Insbesondere stellt dieser Artikel keine Rechts- oder Steuerberatung dar.
Teste jetzt shoperate einen Monat gratis und unverbindlich. Anmelden, downloaden, loslegen!