Barbershop eröffnen

Voraussetzungen, Kosten und Schritte zum eigenen Shop

Letztes Update:
26.5.2026

Barbershop eröffnen

Christian

Christian

Gründer von shoperate

Die smarte Registrierkasse

Wer einen Barbershop in Österreich eröffnen will, muss zuerst die Voraussetzungen klären: Leistungen, Befähigungsnachweis und Gewerbe. Wer die Reihenfolge einhält — Leistung, Befähigung, Konzept, Wirtschaftlichkeit, Standort, Anmeldung, Kosten, Hygiene, Kasse, Marketing — vermeidet die teuersten Fehler. Dieser Leitfaden führt dich Schritt für Schritt durch alle zehn Phasen bis zur Eröffnung.

Barbershop eröffnen

Barbershop eröffnen in Österreich: Voraussetzungen und Ablauf in 10 Schritten

Wer einen Barbershop in Österreich eröffnen will, muss zuerst die Voraussetzungen klären: Welche Leistungen bietest du an, brauchst du einen Befähigungsnachweis und welches Gewerbe ist dafür nötig? Erst danach folgen Konzept, Standort, Kosten, Räume, Ausstattung, Kasse, Hygiene und Marketing. Diese Reihenfolge schützt dich vor den teuersten Fehlern: einem Mietvertrag für ungeeignete Räume, einer Befähigungslücke nach dem Umbau oder Investitionen, die du nicht refinanzieren kannst.

Für die meisten Gründer:innen ist ein realistischer Zeitraum bis zur Eröffnung drei bis sechs Monate. Wer Befähigungsnachweis, Betriebsanlage oder Finanzierung unterschätzt, plant schnell länger. Wer den Ablauf einhält, kann an einem geeigneten Standort verlässlich starten.

⚠️ Achtung: Viele Online-Quellen erklären die Rechtslage anhand der deutschen Handwerksordnung mit Meisterpflicht, Handwerksrolle und Handwerkskammer. Diese Regeln gelten in Österreich nicht. Friseur und Perückenmacher (Stylist) ist ein reglementiertes Gewerbe nach der Gewerbeordnung (GewO) — Barbershops unterliegen denselben Bestimmungen wie klassische Friseursalons. Maßgeblich sind Befähigungsnachweis, GISA-Eintrag und WKO — nicht IHK oder Handwerkskammer.

Schritt Aufgabe Typische Dauer
1Leistungen klären (Bart, Rasur, Haarschnitt)1–2 Wochen
2Befähigungsnachweis und Meisterfrage prüfen2–6 Wochen
3Barbershop-Konzept und Positionierung1–2 Wochen
4Wirtschaftlichkeit: Umsatz, Preise, Auslastung2–4 Wochen
5Standort und Räume sichern3–8 Wochen
6Gewerbe anmelden, Rechtsform, SVS1–3 Wochen
7Kapitalbedarf und Finanzierung kalkulierenparallel zu 4–5
8Ausstattung und Hygiene planen4–8 Wochen
9Kasse, Termine und Zahlungen einrichten1–2 Wochen
10Marketing, Eröffnung, Stammkundenlaufend ab 30 Tage vor Opening

Schritt 1: Leistungen klären — Bartpflege, Rasur oder Herrenhaarschnitt?

Die rechtlichen Anforderungen hängen direkt davon ab, welche Tätigkeiten du im Barbershop ausübst. Ein „Barbershop" ist in Österreich kein eigener Gewerbeschein, sondern ein Markenbegriff. Entscheidend ist die tatsächliche Tätigkeit am Kunden — nicht das Schild an der Tür.

Drei Leistungsgruppen werden in der Praxis unterschieden:

  • Reine Bartpflege und Rasur: Bart trimmen, Konturen, klassische Nassrasur mit dem Rasiermesser, Bartwäsche, Pflege mit Öl oder Balsam.
  • Herrenhaarschnitt und Styling: Haare schneiden, Fade, Undercut, Waschen, Styling, Föhnen — also klassische Friseurtätigkeit am Kopfhaar.
  • Chemische und farbliche Leistungen: Färben, Tönen, Dauerwelle, chemische Behandlungen — eindeutig Friseurhandwerk.

Schon dieser Unterschied bestimmt deinen weiteren Weg. Sobald du Kopfhaare schneidest, fällt die Tätigkeit in den Kernbereich des reglementierten Friseurgewerbes. Reine Bartservices werden teilweise anders eingeordnet — das musst du allerdings vor dem Start mit der Bezirksverwaltungsbehörde oder der Wirtschaftskammer abklären.

Leistung Typische Einordnung Vorher abklären mit
Bart trimmen, Konturenoft als Teiltätigkeit möglichWKO, Innung Friseure
Nassrasur mit RasiermesserHygiene- und Gewerbefrage, individuell zu prüfenWKO, Bezirksverwaltungsbehörde
Herrenhaarschnitt, Fadereglementierte FriseurtätigkeitBezirksverwaltungsbehörde
Waschen, Styling, Föhnenreglementierte FriseurtätigkeitBezirksverwaltungsbehörde
Farbe, Tönung, Dauerwellereglementierte FriseurtätigkeitBezirksverwaltungsbehörde

💡 Hinweis: Ein Maschinenschnitt am Kopfhaar ist nicht automatisch „frei", nur weil keine Schere verwendet wird. In der Praxis kann die Einschränkung auf einfache Herren- oder Maschinenschnitte aber bei der behördlichen Beurteilung eine Rolle spielen. Kläre deshalb vorab schriftlich, ob dein geplantes Angebot als eingeschränkte Tätigkeit anerkannt wird.

👉 Tipp: Schreibe dein geplantes Leistungsspektrum vor jedem Behördentermin schriftlich auf. Je präziser deine Liste, desto klarer ist die Auskunft, die du bekommst. Pauschale Fragen führen oft zu pauschalen Antworten.

💡 Merke: „Nur Barber, kein Friseur" ist in Österreich rechtlich nicht automatisch eine eigene Kategorie. Wer Kopfhaare schneidet, fällt grundsätzlich unter Friseur und Perückenmacher — unabhängig davon, wie der Shop genannt wird.

Schritt 2: Befähigungsnachweis und Meisterfrage in Österreich klären

Sobald du in Österreich Kopfhaare schneidest, bewegst du dich grundsätzlich im Bereich des reglementierten Friseur- und Barbergewerbes — du brauchst aber nicht zwingend selbst eine Meisterprüfung. Je nach Leistungsumfang kommen vier Wege infrage: Meisterprüfung, individuelle Befähigung, Ausnahmebewilligung für Teiltätigkeiten oder gewerberechtliche Geschäftsführung. Entscheidend ist nicht, ob du mit Schere oder Maschine arbeitest, sondern welche Leistungen du tatsächlich anbietest und welche Befähigung die Behörde dafür verlangt.

Die vier Wege im Überblick:

  • Meisterprüfung im Friseurhandwerk: Der klassische und sicherste Weg. Du legst die Meisterprüfung ab und erhältst damit den vollen Befähigungsnachweis für sämtliche Friseurtätigkeiten.
  • Individuelle Befähigung: Wenn du keine Meisterprüfung hast, kannst du gleichwertige Kenntnisse, Fähigkeiten und Erfahrungen nachweisen — zum Beispiel über Ausbildungen im Ausland, Berufserfahrung und Zeugnisse. Die Behörde entscheidet im Einzelfall und kann die Befähigung auch eingeschränkt feststellen, etwa nur für Herrenfriseur-Tätigkeiten.
  • Ausnahmebewilligung für Teiltätigkeiten: Für eng abgegrenzte Konzepte — speziell für viele Barbershops besonders relevant. Die Behörde kann den Zugang erteilen, wenn die Tätigkeiten als „einfach und in maximal drei Monaten erlernbar" gelten.
  • Gewerberechtliche Geschäftsführung: Du gründest selbst, hast aber den Befähigungsnachweis nicht. Eine Person mit Befähigungsnachweis übernimmt die gewerberechtliche Geschäftsführung. Diese Person muss tatsächlich im Betrieb tätig sein, voll versichert und mit klarem Tätigkeitsumfang. Eine reine „Strohmann"-Konstruktion erkennt die Behörde nicht an.
Weg Wann sinnvoll Worauf achten
MeisterprüfungVolle Friseurleistung mit allen Tätigkeiten; langfristige Selbständigkeit.Vorbereitung, Prüfungsgebühren, Zeitaufwand.
Individuelle BefähigungAusbildung oder Erfahrung im Ausland, Quereinstieg, fachliche Praxis ohne formellen Abschluss.Vollständige Unterlagen, ggf. Einschränkung auf Teilbereiche, vereinfachte Arbeitsprobe für ausländische Antragsteller.
AusnahmebewilligungEng abgegrenztes Konzept: reiner Herrenfriseur, Barber mit Bart & Rasur, Kinderfriseur, Basisservice ohne Chemie.Nur „einfache, in 3 Monaten erlernbare" Tätigkeiten; mehrere Teiltätigkeiten dürfen nicht zum vollen Handwerk addiert werden.
Gewerberechtliche GeschäftsführungDu gründest selbst, hast aber keinen Befähigungsnachweis.Echte Tätigkeit der Geschäftsführung im Betrieb, sozialversicherungspflichtige Anstellung, klare Vertragsregelung.

Ausnahmebewilligung für Barbershops — der praktikabelste Weg ohne Meisterprüfung

Die Ausnahmebewilligung ist für viele Barbershop-Gründer:innen der wichtigste Weg in die Selbständigkeit. Sie wird von der Bezirksverwaltungsbehörde (in Wien vom Magistrat) erteilt und erlaubt eng abgegrenzte Teiltätigkeiten des Friseurhandwerks. Die rechtliche Grundlage liegt in der Gewerbeordnung in Verbindung mit der Friseure- und Perückenmacher-Verordnung.

Typische Konstellationen, die in der Praxis als Ausnahmebewilligung möglich sind:

  • Reiner Herrenfriseur (Männerschnitt, Waschen, Föhnen, Styling ohne Chemie)
  • Barber mit Bart und Rasur (Bart trimmen, Konturen, klassische Nassrasur)
  • Kinderfriseur
  • Basisservice (Waschen, Schneiden, Föhnen ohne chemische Behandlungen)
  • Brautstyling

Wichtige Grenzen:

  • Die Tätigkeit muss „einfach und in maximal drei Monaten erlernbar" sein.
  • Mehrere einfache Tätigkeiten dürfen nicht so kombiniert werden, dass sie in Summe das volle Friseurhandwerk abdecken.
  • Chemische Behandlungen (Färben, Tönen, Dauerwelle) fallen nicht unter die Ausnahmebewilligung — dafür ist immer der volle Befähigungsnachweis nötig.

👉 Tipp: Wenn dein Barbershop ausschließlich Männer bedient und keine Farbe anbietet, ist die Ausnahmebewilligung in vielen Fällen ein realistischer und sauberer Weg. Bring dein Leistungsspektrum vor dem Behördentermin schriftlich auf den Punkt — je präziser, desto schneller die Entscheidung.

Kann man in Österreich einen Barbershop ohne Meister eröffnen?

Reine Bartpflege und Rasur — also Bartservices ohne Kopfhaarschnitt — werden in der Praxis teilweise anders eingeordnet als das volle Friseurhandwerk. Eine eingeschränkte Gewerbeberechtigung kann grundsätzlich möglich sein, ist aber kein Selbstläufer und wird im Einzelfall geprüft. Maßgeblich sind die tatsächlich angebotenen Leistungen und die Auslegung der Behörde. Auch ohne Meisterprüfung bleibt die Gewerbe- und Befähigungsklärung Pflicht.

Kann man einen Barbershop ohne Ausbildung eröffnen?

„Ohne Ausbildung" bedeutet in Österreich nicht „ohne Gewerbeprüfung". Auch ohne formale Lehre oder Meisterprüfung musst du der Behörde nachweisen, dass die fachlichen Voraussetzungen erfüllt sind — über die individuelle Befähigung, eine Ausnahmebewilligung oder eine angestellte Person als gewerberechtlichen Geschäftsführer.

Für Gründer:innen ohne Ausbildung gilt in der Regel:

  • Eng abgegrenzte Leistungen wie Bart und Rasur ohne Kopfhaarschnitt sind ein möglicher Weg — wenn die Behörde im konkreten Fall zustimmt.
  • Vollständiger Herrenfriseur-Service (Schnitt, Fade, Waschen, Styling) ist ohne Befähigungsnachweis oder gewerberechtliche Geschäftsführung grundsätzlich nicht zulässig.
  • Berufserfahrung im Ausland kann angerechnet werden, wenn du sie mit Zeugnissen, Arbeitsverträgen und Bestätigungen lückenlos belegst.
  • Eine gewerberechtliche Geschäftsführung ist in Barbershops verbreitet und laut WKO explizit zulässig — vorausgesetzt, die Person ist tatsächlich im Betrieb tätig und sozialversicherungspflichtig angestellt.

⚠️ Achtung: Lass dich nicht von Quellen aus Deutschland verunsichern. Dort gilt die Handwerksordnung mit Meisterpflicht, Handwerksrolle und Ausnahmen wie der Altgesellenregelung. In Österreich gelten andere Regeln: Meisterbrief ist nicht zwingend, aber Gewerbeberechtigung und Befähigungsfrage müssen im Einzelfall sauber geklärt werden. Hol dir vor der Gründung eine schriftliche Auskunft der zuständigen Behörde.

📌 Rechtliche Einordnung: In Österreich ist Friseur und Perückenmacher ein reglementiertes Gewerbe — Barbershops unterliegen laut WKO denselben Zugangsverordnungen wie klassische Friseursalons. Der Befähigungsnachweis bleibt Pflicht; eine Meisterprüfung ist aber kein zwingender Weg. Neben individueller Befähigung und gewerberechtlicher Geschäftsführung ist für Barbershops die Ausnahmebewilligung für Teiltätigkeiten ein etablierter Pfad. Politisch fordert die Innung der Friseure, dass jede Person in einem Barbershop zumindest die Befähigung zum Haareschneiden besitzt — geltendes Recht ist diese Forderung aktuell nicht.

Schritt 3: Barbershop-Konzept und Positionierung festlegen

Ein erfolgreicher Barbershop braucht ein klares Profil. Wer alles für alle anbietet, gewinnt selten genug Stammkund:innen, um wirtschaftlich zu arbeiten. Die Positionierung entscheidet über Zielgruppe, Preise, Einrichtung, Standort und Marketing — und sollte vor Mietvertrag und Investitionen stehen.

Vier Konzeptmodelle haben sich im DACH-Raum etabliert:

  • Klassischer Barbershop: Traditioneller Stil, Heißtuchrasur, klassische Schnitte, Vintage-Ästhetik. Zielgruppe: erwachsene Männer, oft 30+.
  • Moderner Fade-Shop: Trend-Cuts, Skin Fades, Lineups, Beard Designs. Zielgruppe: junge Männer, 16–35, oft urban.
  • Premium-Grooming-Shop: Längere Behandlungen, Pflegerituale, hochwertige Produkte, ruhige Atmosphäre. Zielgruppe: Business, höheres Preissegment.

Schneller Herrenservice: Kurze Schnitte, klare Preise, Online-Termine, hohe Auslastung. Zielgruppe: preisbewusste Stammkund:innen, Familien.

Konzeptmodell Passt zu Hauptrisiko
Klassischer BarbershopInnenstadt, urbane Lage, erwachsene ZielgruppeHohe Investition in Atmosphäre und Material
Moderner Fade-ShopSzeneviertel, Nähe Universität, junge ZielgruppeTrendabhängig, Social-Media-Aufwand
Premium-Grooming1A-Lage, kaufkräftige ZielgruppeMehr Personalbedarf, Preisrechtfertigung
Schneller HerrenserviceWohngebiet, Einkaufsstraße, NahversorgungMargen-Druck, Auslastung muss sehr hoch sein

Zum Konzept gehören auch Zusatzangebote wie der Verkauf von Bartöl, Pomade, Pflegeprodukten und Accessoires. Solche Retail-Produkte erhöhen den Durchschnittsbon pro Kunde spürbar und zahlen zugleich auf die Markenwahrnehmung ein.

⚠️ Achtung — Trend im Blick behalten: Laut Innungsmeister:innen entwickelt sich die Herrenmode aktuell weg von kurz rasierten Styles hin zu längeren Mähnen. Wer sich auf wenige Schnitttypen spezialisiert (z. B. nur Fades und sehr kurze Schnitte), kann mittelfristig in eine Auslastungsfalle laufen. Plane dein Leistungsspektrum so, dass es auch längere Haarschnitte und Pflegeleistungen abdecken kann.

💡 Merke: Konzept zuerst, Standort danach. Ein Premium-Konzept in einer Durchgangsstraße funktioniert ebenso wenig wie ein 15-Euro-Schnellservice in einer Premium-Lage. Erst wenn Zielgruppe und Preisniveau stehen, beginnt die Standortsuche.

Schritt 4: Wirtschaftlichkeit — Umsatz, Preise und Auslastung

Ein Barbershop rechnet sich über Auslastung, kurze Wiederbuchungszyklen und Zusatzverkäufe, nicht über einzelne hohe Tickets. Entscheidend ist der Umsatz pro Stuhl, pro Tag und pro Stammkund:in — nicht der maximale Einzelpreis. Wer diese Hebel kennt, baut von Anfang an einen tragfähigen Betrieb.

Die einfache Umsatzformel lautet: Anzahl Stühle × Termine pro Tag × Durchschnittsbon × Auslastung × Öffnungstage. Ein realistisches Beispiel:

  • 2 Stühle, je 8 Termine täglich möglich, Durchschnittsbon 35 €, Auslastung 75 %, 24 Öffnungstage im Monat.
  • Monatsumsatz: 2 × 8 × 35 € × 0,75 × 24 = 10.080 € (brutto).

Diese Rechnung zeigt zwei Hebel sofort: Auslastung und Durchschnittsbon. Wer den Bon durch Kombi-Pakete wie „Cut & Beard" oder durch Retail-Verkauf um 5 € steigert, gewinnt überproportional. Wer die Auslastung von 50 % auf 75 % hebt, ebenso.

Bei den Preisen am Stuhl orientieren sich Barbershops in Österreich aktuell in der Regel an folgenden Größenordnungen: Bart ab rund 15 €, Haarschnitt ab rund 25 €, Kombination „Cut & Beard" ab rund 40 €. Im Premiumsegment liegen die Preise spürbar höher, im Schnellservice darunter. Wichtig ist nicht die maximale Preisgestaltung, sondern die passende Kombination aus Preis, Auslastung und Wiederbuchung.

⚠️ Achtung — Dumpingpreise: Die Branche steht laut WKO unter Druck durch Tiefstpreis-Anbieter, die rechtliche Grauzonen ausreizen. Ein Haarschnitt um zehn bis 15 Euro ist bei fairer Kalkulation kaum darstellbar — du konkurrierst hier nicht gegen Effizienz, sondern oft gegen versteckte Kostenvorteile. Plane deine Preise auf Basis einer sauberen Vollkostenrechnung inklusive Personal, SVS, Steuern und Material.

Drei Kennzahlen, die in jeden Businessplan gehören:

  • Break-even-Auslastung: Bei welcher Auslastung deckt der Umsatz alle Fixkosten?
  • Durchschnittsbon: Wie viel zahlt ein Kunde im Schnitt — inklusive Retail?
  • Wiederbuchungs-Frequenz: Wie oft kommt ein Stammkunde pro Jahr?

👉 Tipp: Erst das Geschäftsmodell rechnen, dann den Kapitalbedarf bestimmen. Konkrete Startkosten, Reserve und Finanzierung folgen in Schritt 7.

Schritt 5: Standort und Räume für einen Barbershop auswählen

Der richtige Standort entscheidet maßgeblich über den wirtschaftlichen Erfolg deines Barbershops. Wichtig ist nicht die billigste Fläche, sondern die, bei der Frequenz, Sichtbarkeit, Miete, technische Voraussetzungen und Zielgruppe zusammenpassen. Ein Premium-Standort mit hoher Miete bringt nichts, wenn die Auslastung nicht passt — eine Billiglage spart Miete, kostet aber Sichtbarkeit und Kundenfluss.

Diese Kriterien gehören in jede Standortprüfung:

  • Frequenz und Sichtbarkeit: Wie viele Menschen kommen täglich vorbei? Gibt es Schaufenster, Außenwerbung, gute Beschilderung?
  • Zielgruppen-Fit: Passt das Umfeld zu deinem Konzept — Büros, Wohngebiet, Szeneviertel, Fitnessstudio, Gastronomie?
  • Erreichbarkeit: Öffentliche Verkehrsanbindung, Parkmöglichkeiten, Radwege.
  • Konkurrenzdichte: Wie viele Barbershops und Friseursalons sind in 5 Gehminuten?
  • Technische Eignung: Wasseranschlüsse, Abwasser, Stromkapazität, Lüftung, Beleuchtung. Speziell mehrere Waschplätze und eine ausreichende Lüftung sind im Barbershop kritisch.
  • Mietkosten und Vertrag: Höhe, Indexierung, Laufzeit, Verlängerungsoptionen, Kündigungsfristen, Verwendungszweck im Mietvertrag.

Friseurbetriebe können je nach Standort, Ausstattung und Nachbarschaft eine Betriebsanlagengenehmigung benötigen. Für Barbershops sind dabei vor allem Wasser, Abwasser, Lüftung, Lärm und Umbauten relevant. Ob im konkreten Fall eine Genehmigung nötig ist, prüft die Bezirksverwaltungsbehörde anhand des konkreten Standorts. Die vollständige Erklärung zum Verfahren findest du in unserem Leitfaden „Friseursalon eröffnen" — er gilt für Barbershops in derselben Form.

⚠️ Achtung: Unterschreibe den Mietvertrag erst, nachdem du mit der Bezirksverwaltungsbehörde oder dem Magistrat über die Eignung der Räume gesprochen hast. Ein nachträgliches Genehmigungsverfahren oder ein Umbau, der nicht zulässig ist, kann dein gesamtes Projekt kippen.

Schritt 6: Gewerbe anmelden, Rechtsform und SVS klären

Sobald Leistung, Befähigung und Standort geklärt sind, folgen die formalen Schritte. Dieser Teil ist in Österreich gut strukturiert, dauert aber Zeit. Da viele dieser Punkte für jede gewerbliche Gründung gleich laufen, hältst du diesen Block bewusst kompakt — der allgemeine Prozess ist im Leitfaden zur Friseursalon-Gründung ausführlich erklärt.

Die wichtigsten Stationen für einen Barbershop:

  • Rechtsform wählen: Einzelunternehmen (am häufigsten), Offene Gesellschaft (OG) oder GmbH. Für die meisten Barbershops ist das Einzelunternehmen ausreichend, eine GmbH lohnt sich oft erst ab Personal und höheren Umsätzen.
  • Gewerbeanmeldung: Bei der Bezirksverwaltungsbehörde, dem Magistrat oder in Statutarstädten beim Gewerbeamt. Bei reglementierten Gewerben wird der Befähigungsnachweis zur Anmeldung verlangt.
  • GISA-Eintrag: Mit der Anmeldung erhältst du eine GISA-Zahl, unter der dein Gewerbe öffentlich abrufbar ist.
  • Finanzamt: Steuernummer, Umsatzsteuer-Identifikationsnummer (UID) je nach Bedarf, Anmeldung als Unternehmer:in.
  • SVS: Die Sozialversicherung der Selbständigen ist Pflicht ab Gründung. Beiträge richten sich nach Einkommen, mit einer Mindestbeitragsgrundlage.
  • WKO-Mitgliedschaft: Pflichtmitgliedschaft mit Zuordnung zur Innung der Friseure.
  • Steuerberatung: Für die Kleinunternehmerregelung, Vorsteuerabzug, Buchführungspflicht und Lohnverrechnung dringend zu empfehlen.

👉 Tipp: Nutze das WKO-Gründerservice. Die Beratung ist für Mitglieder kostenlos, deckt die meisten formalen Fragen ab und spart dir oft mehrere Behördentermine.

💡 Merke: Die Gewerbeanmeldung selbst ist in der Regel kostenfrei. Kosten entstehen für die Prüfung des Befähigungsnachweises, eventuelle Beglaubigungen, das Firmenbuch bei GmbH-Gründung und für die Steuerberatung.

Schritt 7: Kapitalbedarf, Kosten und Finanzierung kalkulieren

Die Kosten für die Eröffnung eines Barbershops in Österreich hängen vor allem von Lage, Umbau, Anzahl der Stühle, Einrichtung und Startreserve ab. Ein kleiner Barbershop mit zwei Stühlen in einer Nebenstraße kann deutlich günstiger starten als ein Premium-Konzept mit vier Stühlen in 1A-Lage. Realistisch liegt der Kapitalbedarf zur Eröffnung zwischen rund 25.000 € und 80.000 €, im Premium-Segment darüber.

Kostenpunkt Typische Spanne in Österreich
Kaution + erste Mieten3.000 – 12.000 €
Umbau, Maler, Elektrik, Wasser/Abwasser5.000 – 25.000 €
Barber Chairs, Spiegel, Wartebereich4.000 – 15.000 €
Werkzeug (Clipper, Scheren, Rasiermesser, Sterilisator)1.500 – 5.000 €
Verbrauchsmaterial, Pflegeprodukte, Retail-Startbestand1.000 – 4.000 €
Branding, Website, Schild, Visitenkarten500 – 3.000 €
Kasse, Kartenzahlung, Online-Buchung200 – 1.500 €
Versicherungen (Jahresbeitrag)300 – 1.000 €
Behördengebühren, Beratung200 – 1.500 €
Liquiditätsreserve (3–6 Monate Fixkosten)6.000 – 25.000 €

Ein einfaches Beispiel zeigt die Größenordnung:

  • Kleiner Shop mit 2 Stühlen, einfacher Umbau, mittlere Lage: ca. 28.000 – 40.000 € Startkapital.
  • Mittelgroßer Shop mit 3 Stühlen, klarer Markenauftritt, gute Lage: ca. 45.000 – 65.000 €.
  • Premium-Shop mit 4 Stühlen, hohem Ausstattungsniveau, 1A-Lage: ab 70.000 € aufwärts.

Zur Finanzierung stehen in Österreich mehrere Wege offen:

  • Eigenkapital: Empfohlen sind mindestens 20–30 % der Gesamtinvestition.
  • Bankkredit: Klassische Hausbank, Investitionskredit, oft mit Bürgschaft kombiniert.
  • Förderberatung: Die WKO und das aws (Austria Wirtschaftsservice) bieten Förderberatung und teilweise Garantien für Gründer:innen.
  • Leasing: Für Einrichtung, Stühle und Geräte sinnvoll, weil Liquidität geschont wird.
  • Mikrokredite: Für kleinere Vorhaben, oft mit Beratung kombiniert.

⚠️ Achtung: Die größten Kostenfallen sind nachträgliche Umbauten aus der Betriebsanlagengenehmigung und eine zu knappe Liquiditätsreserve. Plane mindestens drei bis sechs Monate Fixkosten als Puffer ein. Stammkundenaufbau braucht Zeit — wer ohne Reserve startet, gerät in den ersten Monaten unter Druck.

Schritt 8: Ausstattung und Hygiene für Rasur, Bartpflege und Schnitt planen

Im Barbershop entscheidet die Hygiene über Vertrauen, Wiederbuchung und Genehmigung. Rasiermesser, Trimmer, Klingen, Heißtücher und der direkte Hautkontakt erfordern saubere Prozesse — fachlich korrekt, dokumentierbar und im Alltag tragbar. Gute Ausstattung muss nicht nur gut aussehen, sondern sich nach jedem Kunden zuverlässig reinigen und desinfizieren lassen.

Die wichtigste Grundausstattung:

  • Möbel und Räume: Barber Chair (höhenverstellbar, kippbar), Spiegel, Waschplatz mit Rückwärtswaschbecken, Arbeitsfläche pro Stuhl, Wartebereich, Beleuchtung.
  • Schneid- und Trimmgeräte: Profi-Clipper, Trimmer für Konturen, Detail-Trimmer, Effilierschere, Friseurscheren in mehreren Größen.
  • Rasur: Rasiermesser mit Einwegklingen, Klingenhalter, Klingenentsorgung in einer Stichschutzbox, Rasierschalen, Pinsel, Heißtuchwärmer.
  • Hygieneartikel: Desinfektionsmittel (Flächen, Werkzeug, Hände), geeignete Desinfektionslösung bzw. Desinfektionsgerät für Kämme und Bürsten, Einmalumhänge oder waschbare Umhänge, Handtücher in ausreichender Anzahl, Erste-Hilfe-Set, Hautpflege bei kleinen Schnitten.
  • Pflegeprodukte und Retail: Shampoo, Conditioner, Bartöl, Bartbalsam, Pomade, Stylingprodukte — sowohl für die Anwendung im Shop als auch für den Verkauf.

Die zentrale Hygiene-Regel im Friseur- und Barberbetrieb lautet: Werkzeug wird nach jedem Kunden gereinigt und desinfiziert. Das betrifft Scheren, Kämme, Bürsten und Trimmer-Aufsätze. Einwegklingen werden nach jeder Anwendung gewechselt und in der Stichschutzbox entsorgt. Arbeitsflächen, Stuhlflächen, Türgriffe und Bedienelemente werden regelmäßig gereinigt.

⚠️ Achtung — konkrete Hygienerisiken: Unsachgemäß gereinigtes Werkzeug kann gefährliche Krankheiten übertragen — die Innung nennt explizit Hepatitis und den Ringerpilz (kann zu Narbenbildung und Haarausfall führen). Hygienemängel sind kein Kavaliersdelikt, sondern ein direktes Gesundheitsrisiko für deine Kund:innen und ein massives Reputationsrisiko für deinen Shop.

Eine einfache Hygiene-Checkliste für jeden Tag:

  • Werkzeug vor und nach jedem Kunden desinfizieren
  • Einwegklingen pro Kunde wechseln
  • Umhang wechseln oder waschen
  • Arbeitsfläche zwischen Kunden abwischen
  • Boden nach Bedarf kehren und reinigen
  • Tagesreinigung am Ende der Schicht
  • Wäsche regelmäßig waschen, getrennte Lagerung sauber/schmutzig

👉 Tipp: Hänge die Hygiene-Checkliste sichtbar im Mitarbeiterbereich auf. Kund:innen achten heute aktiv darauf, ob ein Shop sauber arbeitet — und positive Bewertungen zur Hygiene zahlen direkt auf neue Termine ein.

Schritt 9: Registrierkasse, Termine und Zahlungen einrichten

Ein Barbershop braucht vom ersten Tag an saubere Belege, einfache Zahlung und zuverlässige Terminplanung. In Österreich greift die Registrierkassenpflicht nach der Registrierkassensicherheitsverordnung (RKSV), wenn dein Betrieb beide Umsatzgrenzen überschreitet: ab 15.000 € Jahresumsatz und gleichzeitig ab 7.500 € Barumsatz pro Jahr. Beide Schwellen müssen überschritten werden, sonst besteht keine Pflicht. Unabhängig davon gilt die Belegerteilungspflicht — du musst jedem Kunden einen Beleg ausstellen, und der Kunde muss ihn entgegennehmen.

Auch unterhalb dieser Schwelle ist eine moderne Kasse für einen Barbershop sinnvoll. Sie verbindet Beleg, Terminbuchung, Kassenbuch und Zahlungsmittel — und entlastet dich von doppelter Eingabe.

Was du zum Start brauchst:

  • Registrierkasse mit Sicherheitseinrichtung (Signaturerstellung), die den RKSV-Anforderungen entspricht.
  • Kartenzahlung über ein Kartenterminal oder eine integrierte Lösung. Bargeldlose Zahlung gehört bei jungen Zielgruppen zum Standard.
  • Online-Terminbuchung rund um die Uhr — direkt auf der eigenen Website, im Google Business Profile und in Social-Media-Profilen.
  • Kundenkartei mit Notizen zu Frisuren, Vorlieben und Hautempfindlichkeit. Erleichtert die Wiederbuchung und stärkt die Bindung.
  • Tagesabschluss mit klarem Kassen-, Karten- und Trinkgeldreporting.

⚠️ Achtung: Übernimm keine Begriffe aus Deutschland wie TSE (Technische Sicherheitseinrichtung) oder GoBD-Konformität. Diese betreffen das deutsche Recht. In Österreich gilt die RKSV mit Signaturerstellungseinheit und definierter Belegstruktur — die Kasse muss diese Anforderungen erfüllen.

💡 Merke: Ein gutes Kassensystem spart in einem Barbershop spürbar Zeit. Termine, Belege, Kartenzahlung und Tagesabschluss in einer Lösung reduzieren Fehler — und liefern dir die Zahlen, die dein Steuerberater am Monatsende braucht.

Schritt 10: Marketing, Eröffnung und Stammkunden aufbauen

Barbershop-Marketing ist visuell, lokal und wiederholungsorientiert. Google Business Profile, Instagram, TikTok, Bewertungen, Online-Buchung und ein klarer Wiederbuchungs-Rhythmus nach jedem Termin sind in der Praxis wichtiger als große Werbekampagnen. Wer früh sichtbar wird und einen verlässlichen Stammkundenstamm aufbaut, ist nach den ersten Monaten oft ausgelastet.

Ein 30-Tage-Plan vor der Eröffnung:

  • Tag 30–25: Google Business Profile anlegen, Fotos vom Shop, Öffnungszeiten, Leistungen, Preise. Profile auf Instagram, TikTok und Facebook anlegen.
  • Tag 25–20: Erste Inhalte — Behind the Scenes vom Umbau, Vorstellung des Teams, geplanter Eröffnungstermin.
  • Tag 20–15: Online-Terminbuchung aktiv schalten, erste Termine vergeben, gezielte lokale Posts.
  • Tag 15–10: Pre-Opening-Aktion ankündigen (z. B. „Cut & Beard" zum Sonderpreis in der Eröffnungswoche), Kooperationen mit Fitnessstudios, Mode-Shops, Tattoo-Studios, Cafés in der Nachbarschaft.
  • Tag 10–3: Letzte Posts mit Countdown, Influencer-Termine vor Ort, Pressemitteilung an lokale Medien.
  • Tag 1–7 (Opening): Eröffnungs-Event mit Sonderaktion, professionelle Fotos für Folgekampagnen, Bewertungen aktiv einsammeln.

Wichtige Marketingkanäle für Barbershops:

  • Google Business Profile: Der wichtigste lokale Kanal. Vollständige Angaben, Fotos, Bewertungen, regelmäßige Posts. Wer hier sichtbar ist, taucht in der lokalen Suche und in Google Maps zuerst auf.
  • Instagram und TikTok: Vorher-Nachher-Videos sind im Barbershop-Marketing eines der wirksamsten Formate. Kurze Clips von Schnitten, Bart-Transformationen, Skin-Fade-Details.
  • Bewertungen: Aktiv um Google-Bewertungen bitten — nach dem Termin per E-Mail oder Karte. Antworten auf jede Bewertung, egal ob positiv oder negativ.
  • Online-Buchung: Direktbuchung 24/7. Termin verpassen heißt Kunde verpassen — Online-Buchung beseitigt diese Hürde.
  • Wiederbuchung: Bei jedem Termin den nächsten direkt mitvereinbaren. Erinnerung 24 Stunden vorher per SMS oder E-Mail.

Vier Kennzahlen, die du ab Tag eins beobachten solltest:

  • Auslastung pro Stuhl und Tag — Hauptindikator für Wirtschaftlichkeit.
  • No-Show-Quote — wer nicht erscheint, kostet Umsatz. Reduzierbar durch Erinnerungen und Anzahlungen.
  • Durchschnittsbon — Hebel über Kombi-Pakete und Retail.
  • Wiederkehrrate — entscheidet über die langfristige Rentabilität.

👉 Tipp: Ein Stammkunde im Barbershop bringt über zwei Jahre oft mehrere hundert Euro Umsatz. Jede Investition in saubere Termine, professionelles Service und freundlichen Umgang zahlt sich mehrfach aus.

Häufige Fehler beim Barbershop eröffnen

Die meisten Fehler passieren vor der Eröffnung — bei den ersten Entscheidungen über Recht, Räume und Konzept. Wer diese Fehler kennt, vermeidet sie und spart sich teure Korrekturen nach dem Start.

  • Deutsches Recht übernehmen: Meisterpflicht, Handwerksrolle, Altgesellenregelung gelten in Österreich so nicht. Maßgeblich sind GewO, Befähigungsnachweis, GISA und WKO.
  • „Nur Barber" sagen, aber Kopfhaare schneiden: Sobald du Haare am Kopf bearbeitest, fällt die Tätigkeit grundsätzlich unter das reglementierte Friseurgewerbe. Eine andere Bezeichnung ändert daran nichts.
  • Geschäftsführer nur auf dem Papier: Eine gewerberechtliche Geschäftsführung ist rechtlich zulässig, aber nur, wenn die Person tatsächlich im Betrieb tätig und sozialversicherungspflichtig angestellt ist. Reine „Strohmann"-Konstruktionen werden von Behörde und Finanzpolizei beanstandet.
  • Mietvertrag vor Behördentermin: Räume, die für einen Barbershop nicht zugelassen werden, kosten viel Zeit und Geld. Klärung vor Unterschrift.
  • Zu wenig Reserve: Wer ohne Liquiditätsreserve startet, gerät in den Anlaufmonaten unter Druck. Drei bis sechs Monate Fixkosten als Puffer einplanen.
  • Einrichtung nur nach Optik: Schöne Stühle, die sich schlecht reinigen lassen, sind im Alltag ein Problem. Hygienetauglichkeit gehört in jede Kaufentscheidung.
  • Hygieneprozesse improvisieren: Ohne klare Abläufe schleichen sich Fehler ein. Checklisten, Schulung und sichtbare Standards sind Pflicht — Hepatitis und Ringerpilz sind reale Risiken.
  • Konzept zu eng zuschneiden: Wer sich nur auf sehr kurze Schnitte und Fades spezialisiert, riskiert mit dem aktuellen Trend zu längeren Mähnen Auslastungseinbrüche.
  • Marketing zu spät starten: Wer am Eröffnungstag das erste Foto postet, verliert den wichtigsten Vorlauf. Sichtbarkeit beginnt 30 Tage vor dem Opening.
  • Keine Wiederbuchung: Jeder Kunde, der nach dem Termin ohne nächsten Termin geht, ist ein potenzieller Verlust. Wiederbuchung gehört in jeden Service.

FAQ

Welche Voraussetzungen gelten für einen Barbershop in Österreich?

Die wichtigsten Voraussetzungen sind ein Befähigungsnachweis für Friseur und Perückenmacher (oder eine gewerberechtliche Geschäftsführung), eine Gewerbeanmeldung mit GISA-Eintrag, ein geeigneter Standort mit gegebenenfalls Betriebsanlagengenehmigung, eine Registrierkasse, eine Betriebshaftpflichtversicherung sowie klare Hygiene-Prozesse. Sobald Kopfhaare geschnitten werden, gilt das reglementierte Friseurgewerbe — eine andere Bezeichnung wie „Barbershop" ändert daran nichts.

Kann man in Österreich einen Barbershop ohne Meister eröffnen?

In Österreich ist die Meisterprüfung nicht zwingend, um einen Barbershop zu eröffnen — das reglementierte Friseurgewerbe bleibt aber bestehen. Vier Wege führen zur legalen Gründung: Meisterprüfung, individuelle Befähigung, Ausnahmebewilligung für Teiltätigkeiten (z. B. reiner Herrenfriseur, Barber mit Bart und Rasur, Kinderfriseur) oder eine gewerberechtliche Geschäftsführung mit einer angestellten Person, die selbst den Befähigungsnachweis besitzt. „Ohne Meister" bedeutet damit nicht „ohne rechtliche Voraussetzungen" — Gewerbe- und Befähigungsklärung mit Bezirksverwaltungsbehörde und WKO-Innung bleiben Pflicht.

Kann man einen Barbershop ohne Ausbildung eröffnen?

Ohne formale Ausbildung kommt es darauf an, welche Leistungen du anbietest und ob du anders einen Befähigungsnachweis erbringen kannst. Möglich sind: nachgewiesene Berufserfahrung, ausländische Ausbildungen, eine individuelle Befähigung oder eine Ausnahmebewilligung für eng abgegrenzte Tätigkeiten. Wer den Nachweis nicht selbst erbringen kann, arbeitet mit einer gewerberechtlichen Geschäftsführung — also einer im Betrieb tatsächlich tätigen Person mit Befähigungsnachweis. Diese Lösung ist laut WKO ausdrücklich zulässig und auch in anderen Branchen üblich. Eine reine Eintragung ohne tatsächliche Tätigkeit reicht der Behörde nicht.

Welches Gewerbe brauche ich für einen Barbershop in Österreich?

Für einen Barbershop ist das reglementierte Gewerbe „Friseur und Perückenmacher (Stylist)" maßgeblich — sobald du Kopfhaare schneidest. Du brauchst aber nicht zwangsläufig den vollen Befähigungsnachweis: Für eng abgegrenzte Leistungen (z. B. nur Bart und Rasur, reiner Herrenfriseur ohne chemische Behandlungen) ist eine Ausnahmebewilligung möglich. Über deine konkrete Einordnung entscheiden die Bezirksverwaltungsbehörde oder der Magistrat — die WKO-Innung der Friseure berät vorab.

Was braucht man, um einen Barbershop zu eröffnen?

Du brauchst ein klares Leistungsspektrum, einen passenden Befähigungsnachweis oder gewerberechtlichen Geschäftsführer, ein Konzept mit Zielgruppe und Preisen, einen Standort mit geeigneten Räumen, eine Gewerbeanmeldung mit GISA-Eintrag, eine Registrierkasse mit Belegerteilung, eine Betriebshaftpflichtversicherung, eine funktionierende Hygiene sowie Marketing und Online-Buchung. Dazu kommen Steuerberatung und SVS-Anmeldung. Wer in dieser Reihenfolge arbeitet, vermeidet die meisten Fallstricke.

Was kostet es, einen Barbershop in Österreich zu eröffnen?

Realistisch liegen die Startkosten zwischen rund 25.000 € und 80.000 €. Ausschlaggebend sind Lage, Umbau, Anzahl der Stühle, Einrichtungsstandard und Liquiditätsreserve. Ein einfacher Shop in mittlerer Lage startet günstiger, ein Premium-Konzept in 1A-Lage deutlich teurer. Plane neben den Einmalkosten eine Reserve für drei bis sechs Monate Fixkosten ein — Stammkundenaufbau braucht Zeit.

Wie viel verdient ein selbständiger Barber in Österreich?

Der Gewinn hängt vor allem von Auslastung, Preisen, Fixkosten, Personal und Zusatzverkäufen ab. Ein Barbershop mit zwei Stühlen kann bei guter Auslastung und solider Preisstruktur einen monatlichen Bruttoumsatz im fünfstelligen Bereich erreichen. Was davon als Gewinn übrig bleibt, entscheidet sich an Miete, Personal, SVS, Steuern und Materialkosten. Eine seriöse Prognose ergibt sich aus dem eigenen Businessplan — nicht aus pauschalen Vergleichszahlen.

Wie lange dauert es, einen Barbershop zu eröffnen?

In der Praxis sind drei bis sechs Monate realistisch, wenn Befähigungsnachweis, Standort und Betriebsanlage zügig geklärt werden. Die Befähigungsklärung kann mehrere Wochen dauern, die Behördentermine ebenfalls. Wer zusätzlich umfangreich umbaut, plant länger. Wer den Befähigungsnachweis bereits hat und eine geeignete Fläche findet, kann schneller starten.

Lohnt sich ein Franchise-Modell für einen Barbershop?

Ein Franchise bringt Marke, Konzept, Schulung und Marketing-Standards, kostet aber Einstiegsgebühren, laufende Lizenzgebühren und beschränkt deinen unternehmerischen Spielraum. Für Gründer:innen ohne Branchenerfahrung kann ein Franchise den Einstieg erleichtern. Wer ein klares eigenes Konzept hat und sich auf dem lokalen Markt positionieren will, fährt mit einem eigenständigen Konzept oft besser. Wichtig ist eine ehrliche Kalkulation mit Franchisegebühren und Vertragsdetails vor der Unterschrift.

Christian
Christian
Gründer von shoperate

Einen Barbershop in Österreich zu eröffnen ist gut machbar, wenn du vor jeder Investition die rechtliche Grundlage klärst. Friseur und Perückenmacher ist und bleibt ein reglementiertes Gewerbe — der Befähigungsnachweis ist die wichtigste Hürde. Die Meisterprüfung ist dabei nicht zwingend: Eingeschränkte individuelle Befähigung für Teiltätigkeiten oder eine gewerberechtliche Geschäftsführung sind anerkannte Wege. Wer das ignoriert und auf deutsche Quellen vertraut, plant am österreichischen Recht vorbei.

Im zweiten Schritt entscheiden Konzept, Wirtschaftlichkeit, Standort und Kapitalbedarf über die Tragfähigkeit. Ein realistischer Startbedarf liegt zwischen 25.000 € und 80.000 €, eine Liquiditätsreserve für drei bis sechs Monate gehört dazu. Wer Auslastung, Durchschnittsbon und Wiederbuchung von Anfang an als zentrale Kennzahlen versteht, baut einen stabilen Betrieb auf.

Hygiene, Registrierkasse und Marketing sind kein Beiwerk, sondern Pflicht und Wachstumshebel zugleich. Saubere Prozesse schützen vor Beanstandungen und realen Gesundheitsrisiken wie Hepatitis und Ringerpilz. Eine moderne Kasse spart Zeit und liefert die Zahlen, die du brauchst. Marketing beginnt 30 Tage vor der Eröffnung — nicht am Opening selbst.

lg Christian und das Team von shoperate

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Alle Angaben in diesem Artikel wurden nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert. Eine Garantie kann dafür aber nicht abgegeben werden. Insbesondere stellt dieser Artikel keine Rechts- oder Steuerberatung dar.

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